Das Hüftgelenk ist eines der am stärksten belasteten Gelenke im menschlichen Körper. Wenn der schützende Knorpel im Laufe der Zeit abnutzt, sprechen Mediziner von einer Hüftarthrose oder Coxarthrose (auch Koxarthrose). Diese degenerative Erkrankung des Hüftgelenks führt oft schleichend zu Hüftschmerzen, die zunächst nur bei Belastung, später auch in Ruhe auftreten. Ob primär durch Alterung oder sekundär durch Fehlstellungen wie eine Hüftdysplasie verursacht: Der fortschreitende Verschleiß schränkt die Beweglichkeit und Lebensqualität massiv ein. Die Therapie der Hüftarthrose reicht von konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie bis hin zum Gelenkersatz durch eine Hüft-TEP (Totalendoprothese), wenn die Arthrose weit fortgeschritten ist.
Kurzübersicht:
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Was ist eine Hüftarthrose?
Der Knorpel sorgt bei gesunden Menschen dafür, dass nur eine indirekte Reibung zwischen Hüftkopf und Oberschenkelknochen entsteht. Verschiedene Grunderkrankungen können dazu führen, dass der Gelenkknorpel im Hüftgelenk fortschreitend verschleißt. Diese Erscheinung bezeichnet man als Hüftarthrose bzw. Coaxarthrose (ICD-Code: M16).
Im Gegensatz zur ruhenden Hüftarthrose liegen bei einer aktivierten Hüftarthrose Entzündungszeichen vor. Kleinste Anteile von Knorpelgewebe werden dann in die Gelenksflüssigkeit abgestoßen und lösen Entzündungen aus.
Das Video zeigt den Gelenkverschleiß durch Knorpelschäden:
Die Hüftarthrose verläuft über Jahre unerkannt und tritt meist erst im höheren Erwachsenenalter in Erscheinung. Als Diagnoseinstrumente werden Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen eingesetzt.
Wie entsteht eine Hüftarthrose?
Bei einer Hüftarthrose liegt immer ein Verschleiß des Gelenkknorpels vor. Der Knorpel wird im Verlauf immer dünner, reißt ein und raut auf. Anfangs sind nur kleine Flächen von den Schäden betroffen. Der Patient hat anfangs noch keine Beschwerden.
Durch den Abbau des Knorpels erhöht sich der Druck auf die darunterliegenden Knochen immer mehr. Am Knochen entwickeln sich sogenannte subchondrale Sklerosierungen. Das sind Verknöcherungen des Hüftgelenks, um den gesteigerten Druck und Abrieb auszugleichen.
Um den Druck auszugleichen, vergrößert sich die Gelenkfläche und bildet Osteophyten, die das Hüftgelenk unbeweglicher machen. Dieser Prozess schreitet immer mehr voran, bis die Knorpelschicht vollkommen abgerieben ist und die Knochen ohne Schutz auf den gegenüberliegenden Knochen liegen.

Arthrose ist eine Verschleißkrankheit, die den Gelenkknorpel betrifft © Henrie | AdobeStock
Was sind die Ursachen einer Hüftarthrose?
Die Ursachen der Coxarthrose können grundsätzlich in zwei Gruppen gegliedert werden.
Primäre Ursache
Gerade bei Patienten über 50 Jahren ist oftmals keine genaue Ursache der Arthrose zuzuordnen. Es handelt sich lediglich um eine anlagebedingte Schwachstelle des Körpers. Sie entsteht aufgrund altersbedingter Abbauprozesse.
Sekundäre Ursachen
Zu den sekundären Ursachen zählen
- angeborene Fehlstellungen (Hüftdysplasie),
- unfallbedingte Verletzungen des Hüftgelenks (meist als Folge einer Azetabulumfraktur),
- anhaltende Überlastung durch täglich wiederkehrende Bewegungen,
- Übergewicht und
- entzündliche Erkrankungen (Rheuma).
Welche Symptome treten bei einer Hüftarthrose auf?
Die Hüftarthrose ist eine chronische Erkrankung, die sich zumeist über mehrere Jahre entwickelt.
Wesentliche Krankheitsanzeichen sind
- zunehmende Schmerzen im Hüftgelenk,
- zunehmende Bewegungseinschränkungen und
- Muskelverspannungen.
Bei einer aktivierten Hüftarthrose, die phasenweise während des Krankheitsverlaufes auftreten kann, treten oft zusätzlich
- Schwellungen,
- Rötungen und
- Überwärmung
auf.
Folgende Symptomatik kennzeichnet eine fortgeschrittene Coxarthrose:
- Anlaufschmerzen: Der Patient empfindet Schmerz beim Beginn einer Bewegung, insbesondere nach längeren Ruhephasen.
- Gelenkschmerzen, die bei Belastung auftreten
- Ruheschmerzen: Beim Liegen oder Sitzen empfindet der Patient Schmerzen.
- Gangstörungen: Nach längerer Belastung ist ein leichtes Einknicken der von der Arthrose betroffenen Seite ersichtlich.
- Bewegungseinschränkung: Der Oberschenkel kann schlechter gebeugt, gedreht und gestreckt werden. Der Patient empfindet Schmerzen beim Abspreizen des Oberschenkels.
Wie wird eine Hüftarthrose diagnostiziert?
Körperliche Untersuchung zur Diagnose einer Coxarthrose
Der Auftakt der Untersuchung erfolgt durch eine körperliche Untersuchung, bei der
- Gang,
- Haltung,
- Muskelschwächen,
- Schonhaltung und
- mögliche Fehlstellungen
im Zentrum stehen. Bei fortgeschrittener Arthrose im Hüftgelenk ist die Innendrehfähigkeit des Beins sowie die tiefe Beugung (beim Sitzen) nicht mehr möglich.
Bildgebende Verfahren zur Diagnose einer Hüftarthrose
Im Röntgenbild ist die Verschmälerung des Gelenkspaltes zwischen Hüft- und Oberschenkelknochen und der damit einhergehende Knorpelverlust gut sichtbar. Je schmäler der Gelenkspalt, desto fortgeschrittener ist die Hüftarthrose.
Osteophyten und subchondrale Sklerosierungen sind ebenfalls anhand des Röntgenbildes erkennbar.
Wichtig für die digitale Planung einer Hüftprothese ist
- der Schenkelhalswinkel und
- der Abstand des Hüftkopfdrehzentrums zum Oberschenkelknochen.
In manchen Fällen kommen Spezialuntersuchungen wie
- MRT,
- CT oder
- Szintigraphie
zum Einsatz.
Wie wird eine Hüftarthrose behandelt?
Der Verlauf einer Coxarthrose ist variabel und von vielen unterschiedlichen individuell verschiedenen Faktoren abhängig.
Dabei gibt es veschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Sie reichen von konservativen Maßnahmen bis zum Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks.
Konservative Behandlung
Im Anfangsstadium einer Hüftarthrose können Patienten durch spezielle Maßnahmen wie
gelenkschonende Bewegungsabläufe,
- Massagen,
- Krankengymnastik,
- orthopädische Schuhe u.a.
viel dazu beitragen, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen.
Ist die Krankheit weiter fortgeschritten, helfen Medikamente zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.
Vorbeugende Maßnahmen sind weiterhin die Gewichtsabnahme und Bewegungen mit geringer Belastung des Hüftgelenks.
Der Einsatz einer Hüftprothese bei einer Hüftarthrose
Im Endstadium einer Hüftarthrose und bei starker Beeinträchtigung der Lebensqualität sollten operative Methoden in Betracht gezogen werden. Denkbar ist etwa der Einsatz einer Hüftprothese,
FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zur Hüftarthrose (Coxarthrose)
Was sind die typischen Symptome einer Coxarthrose?
Das Leitsymptom sind belastungsabhängige Schmerzen in der Leiste, die oft in den Oberschenkel oder das Knie ausstrahlen. Anfangs treten diese als Anlaufschmerz nach dem Aufstehen auf. Mit der Zeit kommen Ruheschmerzen und nächtliche Beschwerden hinzu. Die Beweglichkeit der Hüfte nimmt ab, was sich besonders beim Drehen des Beins oder beim Bücken bemerkbar macht. Im fortgeschrittenen Stadium führt die Coxarthrose zu einem Schonhinken und einer Verkürzung der Gehstrecke.
Wie wird eine Hüftarthrose behandelt?
Die Therapie der Coxarthrose erfolgt stadiengerecht. In frühen Stadien steht die konservative Therapie im Vordergrund. Dazu gehören Physiotherapie zur Stärkung der Muskulatur, die das Gelenk stabilisieren soll, sowie physikalische Therapie (Wärme/Kälte). Medikamente wie Entzündungshemmer helfen, Schmerzen zu lindern. Ist der Verschleiß weit fortgeschritten und die Lebensqualität stark beeinträchtigt, ist oft eine Operation erforderlich, bei der ein künstliches Hüftgelenk (Hüft-TEP) implantiert wird.
Wann ist eine Hüft-OP notwendig?
Die Entscheidung, wann eine Hüft-OP sinnvoll ist, hängt vom Leidensdruck des Patienten ab. Wenn konservative Maßnahmen wie Schmerzmittel und Gymnastik die Schmerzen lindern nicht mehr ausreichend können, die Gehstrecke stark verkürzt ist und Ruheschmerzen den Schlaf rauben, wird meist zum Gelenkersatz geraten. Eine Hüft-TEP (Totalendoprothese) ersetzt dabei sowohl den Hüftkopf des Oberschenkelknochens (Caput femoris) als auch die Hüftpfanne.
Welche Ursachen hat eine Hüftarthrose?
Man unterscheidet die primäre Coxarthrose, die ohne erkennbare Vorerkrankung meist im höheren Lebensalter auftritt, von der sekundären Form. Sekundäre Ursachen können angeborene Fehlstellungen (Dysplasie), Folgen von Unfällen, Entzündungen oder Durchblutungsstörungen (Hüftkopfnekrose) sein. Auch Übergewicht und einseitige Belastung durch bestimmte Sportarten begünstigen den Verschleiß des Gelenkknorpels.
Was kann man selbst bei Hüftarthrose tun?
Um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, ist Bewegung ohne Belastung ideal. Radfahren und Schwimmen schmieren das Gelenk, ohne den Knorpel zu pressen. Gewichtsreduktion entlastet die Hüfte spürbar. Gezielte Übungen kräftigen die Muskulatur rund um das Becken und den Oberschenkel. Auch das Tragen von Schuhen mit weichen Sohlen dämpft Stöße beim Gehen ab.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Der Orthopäde beginnt mit einer Anamnese und einer körperlichen Untersuchung, bei der er das Gangbild und die Beweglichkeit prüft (z.B. Drehtests). Ein Röntgenbild im Stehen zeigt typische Zeichen wie den verschmälerten Gelenkspalt, Geröllzysten und knöcherne Anbauten (Osteophyten). In unklaren Fällen oder zur OP-Planung können bildgebende Verfahren wie MRT oder CT hilfreich sein.
Was ist eine aktivierte Arthrose?
Eine aktivierte Arthrose ist ein entzündlicher Schub im chronischen Verlauf der Coxarthrose. Durch Abrieb von Knorpel- oder Knochenteilchen entzündet sich die Gelenkinnenhaut. Das Gelenk schwillt an, wird warm und schmerzt akut auch in Ruhe. In dieser Phase stehen Entzündungshemmung und Schonung im Vordergrund der Coxarthrose Behandlung.
Wie lange hält ein künstliches Hüftgelenk?
Moderne Hüftprothesen haben eine sehr gute Haltbarkeit. Statistiken zeigen, dass nach 15 bis 20 Jahren noch über 90 Prozent der Prothesen intakt sind. Die Lebensdauer hängt jedoch auch von der Aktivität des Patienten, dem Körpergewicht und der Verankerungstechnik (zementiert oder zementfrei) ab.