Es fühlt sich an, als hätten Sie permanent einen kleinen Stein im Schuh, der bei jedem Schritt drückt und schmerzt. Doch beim Nachsehen ist der Schuh leer. Stattdessen ertasten Sie unter der Haut verhärtete Knubbel. Dieses Phänomen deutet oft auf den Morbus Ledderhose hin. Dabei handelt es sich um eine gutartige Gewebeveränderung an der Fußsohle, die zwar nicht lebensgefährlich ist, die Lebensqualität durch Schmerzen beim Gehen aber massiv einschränken kann. Oft wird die Erkrankung lange ignoriert oder mit einer einfachen Überlastung verwechselt, bis die Knoten an der Fußsohle so groß sind, dass normales Laufen zur Qual wird. Benannt nach dem deutschen Chirurgen Georg Ledderhose, ist diese Krankheit eng mit einer ähnlichen Erkrankung der Hand verwandt. Wir erklären Ihnen, was genau in Ihrem Fuß passiert, wie Einlagen helfen können und wann eine Operation unumgänglich ist.
Kurzübersicht:
Der Morbus Ledderhose, medizinisch auch als Plantarfibromatose bezeichnet, ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes unter der Fußsohle. Dabei bilden sich in der Plantarfaszie, der derben Sehnenplatte, die das Fußgewölbe stützt, überschüssige Gewebewucherungen. Diese manifestieren sich als tastbare, feste Knoten oder Stränge. Die genaue Ursache der Erkrankung ist bis heute nicht abschließend geklärt, jedoch spielen genetische Faktoren, Diabetes mellitus und Nikotinkonsum eine Rolle. Morbus Ledderhose gehört zu den sogenannten Fibromatosen und tritt oft gemeinsam mit dem Morbus Dupuytren an der Hand auf. Zu den Symptomen zählen neben den sichtbaren Verhärtungen vor allem Schmerzen beim Gehen und Stehen. Die Therapie des Morbus Ledderhose erfolgt meist stufenweise: Zunächst wird konservativ mittels spezieller orthopädischer Einlagen mit Aussparungen behandelt, um den Druck auf die Knoten zu nehmen. Auch Strahlentherapie kann das Wachstum bremsen. Bringt die konservative Behandlung keine Linderung oder sind die Schmerzen zu stark, kann eine operative Entfernung der betroffenen Sehnenplatte notwendig sein.
Artikelübersicht
- Was ist Morbus Ledderhose?
- Ursachen: Warum entsteht die Erkrankung?
- Symptome und Verlauf des Morbus Ledderhose
- Diagnose: Wie wird Morbus Ledderhose festgestellt?
- Behandlung von Morbus Ledderhose: Konservativ
- Operative Therapie: Wann muss operiert werden?
- Prognose und Leben mit der Erkrankung
- FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zu Morbus Ledderhose
Was ist Morbus Ledderhose?
Der Morbus Ledderhose ist eine gutartige Wucherung des Bindegewebes an der Fußsohle. Die Erkrankung betrifft die Plantarfaszie (auch Plantaraponeurose genannt), eine feste Sehnenplatte, die von der Ferse bis zu den Zehen verläuft und das Längsgewölbe des Fußes stabilisiert. Durch eine fehlerhafte Regulation im Gewebe bilden sich gutartige Knoten und Stränge, die mit der Zeit wachsen und verhärten können.
Die Krankheit wurde erstmals 1894 vom deutschen Chirurgen Georg Ledderhose beschrieben und trägt daher seinen Namen (im Englischen auch Ledderhose Disease). Morbus Ledderhose ist eine chronische Erkrankung, was bedeutet, dass sie sich meist langsam entwickelt und in Schüben verlaufen kann. Sie ist eng verwandt mit dem Morbus Dupuytren, bei dem ähnliche Veränderungen an der Handfläche auftreten und die Finger krümmen. Tatsächlich leiden viele Patienten gleichzeitig an Veränderungen an Hand und Fuß.
Ursachen: Warum entsteht die Erkrankung?
Die genaue Ursache für das Auftreten des Morbus Ledderhose ist noch unbekannt. Experten gehen jedoch von einer genetischen Disposition aus, da die Krankheit in manchen Familien gehäuft auftritt. Es scheint eine Veranlagung zu geben, bei der das Bindegewebe auf kleinste Verletzungen (Mikrotraumata) mit einer übermäßigen Narbenbildung reagiert.
Zusätzlich gibt es Risikofaktoren, die das Entstehen der Fibromatosen begünstigen können:
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Diabetes mellitus
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Regelmäßiger Alkoholkonsum (Leberschäden)
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Epilepsie (bzw. die Einnahme bestimmter Medikamente dagegen)
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Rauchen
Obwohl die Knoten wie ein Tumor wirken können, ist Morbus Ledderhose ist eine gutartige Veränderung. Die Knoten entarten nicht bösartig, streuen also keine Metastasen.
Symptome und Verlauf des Morbus Ledderhose
Das Leitsymptom sind tastbare Knoten und Verhärtungen im Bereich der Fußsohle, meist im mittleren Bereich des Fußgewölbes. Zu Beginn sind diese oft klein und schmerzlos. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung können die Knoten jedoch wachsen und Knoten und Stränge bilden.
Typische Beschwerden sind:
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Knoten an der Fußsohle: Feste, oft mehrere Knoten, die unter der Haut verschiebbar oder fest mit der Sehnenplatte verwachsen sind.
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Schmerzen beim Gehen: Sobald die Knoten eine gewisse Größe erreichen oder ungünstig liegen, entsteht ein Druckschmerz beim Auftreten.
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Spannungsgefühl: Die Verhärtung der Plantarfaszie kann zu einem Spannungsgefühl führen, das bis in die Zehen ausstrahlt.
Anders als beim Morbus Dupuytren an der Hand führen die Stränge beim Morbus Ledderhose selten zu einer Krümmung der Zehen, da die Sehnenplatte am Fuß anders aufgebaut ist. Dennoch sind starke Schmerzen und eine Gehbehinderung im Alltag oft die Folge.

Beim Morbus Ledderhose bilden sich harmlose, aber störende Knoten auf der Fusssohle @ Farantsa /AdobeStock
Diagnose: Wie wird Morbus Ledderhose festgestellt?
Der Verdacht auf Morbus Ledderhose entsteht meist schon durch die Beschreibung der Symptome und das Abtasten des Fußes. Ärztlich wird geprüft, wo genau die Knoten liegen und wie fest das Gewebe verhärtet ist.
Um die Diagnose zu sichern und andere Erkrankungen (wie bösartige Tumore oder Zysten) auszuschließen, nutzen Ärzte bildgebende Verfahren.
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Ultraschall (Sonografie): Hier lassen sich die Knoten in der Plantaraponeurose gut darstellen.
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MRT (Magnetresonanztomographie): Ein MRT liefert präzise Bilder der Ausdehnung in der Tiefe. Dies ist besonders wichtig, wenn eine Operation geplant ist, um zu sehen, wie tief die Fibromatose in die Fußmuskulatur reicht.
Für eine genaue Diagnostik ist oft der Besuch in einer Klinik für Fußchirurgie oder Radiologie ratsam. Hier können Verfahren wie Ultraschall oder MRT Klarheit schaffen.
Behandlung von Morbus Ledderhose: Konservativ
Die Therapie richtet sich nach dem Leidensdruck des Patienten. Solange die Knoten klein sind und nicht schmerzen, kann oft abgewartet werden. Wenn jedoch Beschwerden auftreten, ist die konservative Behandlung der erste Schritt.
Orthopädische Einlagen Das wichtigste Hilfsmittel sind Einlagen. Diese werden individuell angepasst und besitzen an der Stelle, wo sich der Knoten befindet, eine Aussparung (Weichbettung). Dadurch wird der Druck auf die Knoten beim Gehen reduziert. Orthopädische Einlagen können das Wachstum zwar nicht stoppen, aber die Schmerzen beim Morbus Ledderhose oft deutlich lindern.
Bestrahlung In frühen Stadien, wenn die Knoten noch aktiv wachsen, kann eine weiche Röntgenreizbestrahlung das Zellwachstum bremsen und die Knoten verkleinern. Mehr dazu finden Sie in unserem Bereich Strahlentherapie.
Physiotherapie Dehnübungen für die Wadenmuskulatur und die Plantarfaszie können helfen, die Spannung von der Sehnenplatte zu nehmen und Beschwerden zu lindern.
Operative Therapie: Wann muss operiert werden?
Wenn konservative Maßnahmen wie Einlagen und Physiotherapie nicht mehr ausreichen und der Patient unter Dauerschmerzen leidet, wird eine operative Therapie erwogen. Auch wenn die Knoten so groß sind, dass kein Schuh mehr passt, ist ein Eingriff sinnvoll.
Es gibt verschiedene Ansätze für die Operation des Morbus Ledderhose:
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Entfernung der Knoten: Hierbei werden nur die sichtbaren Knoten herausgeschnitten. Der Nachteil ist, dass die Rezidivrate (Wiederkehr der Erkrankung) sehr hoch ist. Aus dem verbliebenen Gewebe der Plantarfaszie können sich schnell neue Morbus Ledderhose bilden.
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Partielle oder totale Fasziektomie: Um ein Rezidiv zu vermeiden, entfernen Spezialisten oft die gesamte betroffene Sehnenplatte (Plantaraponeurose). Dies ist ein größerer Eingriff, senkt aber das Risiko, dass die Erkrankung zurückkehrt, erheblich.
Die operative Entfernung ist anspruchsvoll, da die Wundheilung an der Fußsohle oft schwierig ist und die Haut unter Spannung steht. Nach der Operation darf der Fuss meist für einige Wochen nicht voll belastet werden.

Stoßwellentherapie bei Morbus Ledderhose @ Dan Race /AdobeStock
Prognose und Leben mit der Erkrankung
Morbus Ledderhose ist eine chronische Erkrankung. Das bedeutet, auch nach einer erfolgreichen Therapie des Morbus Ledderhose müssen Patienten achtsam bleiben. Selbst nach einer Operation können sich an den Rändern der entfernten Faszie neue Knoten bilden.
Dennoch lässt sich die Krankheit meist gut managen. Mit weichem Schuhwerk, Einlagen und frühzeitiger Behandlung können die meisten Betroffenen schmerzfrei leben. Da Morbus Ledderhose gehört zu den gutartigen Erkrankungen, ist die allgemeine Lebenserwartung nicht beeinträchtigt. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle, um ein erneutes Wachstum der Knoten frühzeitig zu erkennen.
FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zu Morbus Ledderhose
Was ist Morbus Ledderhose?
Morbus Ledderhose ist eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes an der Fußsohle (Plantarfibromatose). Dabei bilden sich feste Knoten und Stränge in der Sehnenplatte (Plantarfaszie), die Schmerzen beim Gehen verursachen können.
Ist Morbus Ledderhose gefährlich?
Nein, Morbus Ledderhose ist eine gutartige Erkrankung. Die Knoten sind kein bösartiger Tumor und bilden keine Metastasen. Die Hauptproblematik liegt in den Schmerzen und der Einschränkung der Gehfähigkeit.
Gehen die Knoten von alleine weg?
In der Regel bilden sich die Knoten nicht von alleine zurück. Morbus Ledderhose ist eine chronische Erkrankung, die oft in Schüben verläuft. Ohne Behandlung können die Knoten größer werden oder an Zahl zunehmen.
Helfen Einlagen bei Morbus Ledderhose?
Ja, orthopädische Einlagen sind der Goldstandard in der konservativen Therapie. Durch eine gezielte Aussparung (Loch oder Weichbettung) an der Stelle des Knotens wird der Druck beim Auftreten genommen, was die Schmerzen deutlich lindert.
Wann muss man operieren?
Eine operative Entfernung der Knoten oder der gesamten Sehnenplatte wird empfohlen, wenn konservative Maßnahmen wie Einlagen keine Linderung mehr bringen, die Schmerzen beim Gehen unerträglich werden oder die Knoten so groß sind, dass sie das Tragen von Schuhen unmöglich machen.
Was ist der Unterschied zu Morbus Dupuytren?
Beide Erkrankungen gehören zu den Fibromatosen und treten oft gemeinsam auf. Morbus Dupuytren betrifft die Handinnenfläche und führt zur Krümmung der Finger. Morbus Ledderhose betrifft die Fußsohle und führt primär zu Druckschmerzen, seltener zu einer Krümmung der Zehen.
Welcher Arzt behandelt Morbus Ledderhose?
Der erste Ansprechpartner ist oft ein Orthopäde oder Fußchirurg. Auch Strahlentherapeuten können in frühen Stadien in die Behandlung eingebunden werden. Für die Diagnostik mittels MRT ist ein Radiologe zuständig.
Kann man Morbus Ledderhose vorbeugen?
Da die genaue Ursache unbekannt ist und genetische Faktoren eine große Rolle spielen, gibt es keine sichere Vorbeugung. Das Meiden von Risikofaktoren wie übermäßigem Alkoholkonsum und Rauchen kann jedoch das Risiko für Fibromatosen allgemein senken.
Quellen
flexikon.doccheck.com/de/Morbus_Ledderhose
Heyd R et al., Radiation therapy for early stages of morbus Ledderhose. Strahlenther Onkol 2010; 186(1): 24–29. doi: 10.1007/s00066-009-2049-x
medlexi.de/Morbus_Ledderhose
Seegenschmiedt RH & Attassi M. Strahlentherapie beim Morbus Ledderhose—Indikation und klinische Ergebnisse. Strahlentherapie und Onkologie 2003; 179: 847–853
