Rheuma und Rheumatoide Arthritis: Der rheumatische Formenkreis aus orthopädischer Sicht

19.01.2026
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Unter dem Begriff Rheuma fassen Mediziner weit mehr als 100 verschiedene Krankheitsbilder zusammen, die meist mit Schmerzen am Stütz- und Bewegungsapparat einhergehen. Wenn man das Thema Rheuma in Zahlen betrachtet, wird die enorme Verbreitung deutlich: Millionen Menschen sind betroffen. Die bekannteste Form ist die rheumatoide Arthritis, eine chronisch verlaufende, entzündlich-rheumatische Erkrankung, bei der das Immunsystem irrtümlich körpereigenes Gewebe angreift. Doch Rheuma kann auch innere Organe, die Haut und andere Körpergewebe, Blutgefäße oder die Muskulatur betreffen. Ob Arthrose, Gicht, Morbus Bechterew oder Lupus erythematodes: Rheumatische Erkrankungen können Menschen jeden Alters treffen, sogar Kinder, was als juvenile idiopathische Arthritis bezeichnet wird. Eine frühzeitige Diagnose in der Rheumatologie ist entscheidend, um Gelenkschäden und dauerhafte Bewegungseinschränkungen zu verhindern.

ICD-Codes für diese Krankheit: M79.0

Kurzübersicht:

Rheuma ist ein nicht-medizinischer Überbegriff für diverse, meist schmerzhafte Zustände am Bewegungsapparat. Am häufigsten ist die rheumatoide Arthritis, auch als chronische Polyarthritis bekannt, bei der sich die Innenhaut der Gelenke, Sehnen und Schleimbeutel entzünden. Die Ursachen für rheumatoide Arthritis und andere rheumatische Erkrankungen sind oft komplex und reichen von genetischer Disposition über Autoimmunprozesse bis hin zu Umweltfaktoren. Zu den typischen Symptomen zählen geschwollene, warme Gelenke, Morgensteifigkeit sowie allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit und Fieber. Der rheumatische Formenkreis umfasst dabei vier Hauptgruppen, nämlich die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie Vaskulitiden und Kollagenosen, die degenerativen Gelenkerkrankungen wie Arthrose, die Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden wie Gicht und Osteoporose sowie das Weichteilrheuma wie die Fibromyalgie. Die Behandlung ruht auf mehreren Säulen und umfasst Medikamente wie Antirheumatika und Biologika, Physiotherapie, eine angepasste Ernährung sowie Patientenschulungen, wie sie beispielsweise die Deutsche Rheuma-Liga anbietet.

Artikelübersicht

Rheuma ist keine einzelne Krankheit. Der Begriff umfasst etwa 100 verschiedene Formen von entzündlichen Prozessen. Der Begriff entstammt dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „ziehender Schmerz“. Diese Schmerzen sind das Hauptmerkmal rheumatischer Erkrankungen.

Rheuma kann alle Lebensalter und beide Geschlechter gleichermaßen betreffen. Selbst Kinder können bereits Rheumatiker sein.

Rheumatoid Arthritis
Durch Rheumatoide Arthritis verformte Gelenke einer Hand © Wikimedia Commons

Was ist Rheuma?

Was wir allgemein als Rheuma bezeichnen, ist eigentlich die rheumatoide Arthritis, eine Autoimmunerkrankung. 

Daneben zählen aber auch folgende Beschwerden zu den rheumatischen Erkrankungen:

Von Weichteil-Rheuma sprechen Ärzte wiederum bei der sogenannten Fibromyalgie. Das ist eine generalisierte, diffuse Schmerzerkrankung der Muskeln und Gelenke.

Rheuma ist zudem nicht ausschließlich auf die Gelenke beschränkt. Rheumatische Augenerkrankungen und Herzmuskelentzündungen können dabei ebenso auftreten wie Entzündungen von:

Alle Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises basieren auf einer Entzündung und dem damit einhergehenden Schmerz.

Symptome der rheumatoiden Arthritis (Rheuma im eigentlichen Sinne)

Eine der häufigsten chronischen Gelenkentzündungen ist die rheumatoide Arthritis. Sie heißt auch chronische Polyarthritis.

Schätzungsweise sind 800.000 Deutsche davon betroffen. Frauen erkranken etwa doppelt so oft wie Männer.

Bei der rheumatoiden Arthritis entzünden sich vor allem:

  • die Innenhaut der Gelenke
  • Sehnenscheiden und
  • Schleimbeutel

Das führt zu Bewegungseinschränkungen und starken Schmerzen.

Sehen Sie im Video den Verlauf der Krankheit im Hüftgelenk:

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Heilbar ist Rheuma nach heutigem Stand nicht. Entdecken Ärzte die Erkrankung frühzeitig, lässt sich der Krankheitsprozess deutlich verlangsamen. 

Andernfalls endet die Erkrankung in einem Funktionsverlust der betroffenen Gelenke infolge der vollständigen Gelenkzerstörung.

Erste Anzeichen für Rheuma sind meist noch sehr unspezifisch. 

So kommt es oft zu:

  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit und
  • leichtem Fieber

In diesem Stadium ist die Zuordnung der Symptome zu Rheuma fast unmöglich.

Im weiteren Verlauf jedoch werden die Anzeichen immer deutlicher. Die Gelenke sind geschwollen, gerötet und leicht erwärmt. Zusätzlich kann eine morgendliche Gelenksteifigkeit auftreten.

Schmerzen treten oft zuerst im Bereich der Zehen und Finger auf. Charakteristisch für die Rheumatoide Arthritis ist, dass immer symmetrische Beschwerden auftreten. So sind etwa immer beide Kniegelenke betroffen.

Unbehandelt gipfeln Gelenkentzündungen (Arthritis) in der Gelenkzerstörung. Das zieht meistens Verformungen und Gelenkversteifungen nach sich.

Rheumatoide Arthritis Hand
Darstellung der Gelenkzerstörung bei rheumatoider Arthritis © GraphicsRF | Fotolia

Der Arzt, meist ein Rheumatologe oder Rheumaorthopäde, sichert seine Verdachtsdiagnose mittels Blutuntersuchung ab. 

Er misst dabei unter anderem:

  • Entzündungseiweiße
  • der Rheumafaktor und
  • andere Autoimmun-Antikörper

Ursachen für Rheuma

Rheumatische Erkrankungen lassen sich nicht immer auf eine grundlegende Ursache zurückführen. 

Auch für die Rheumatoide Arthritis stehen verschiedene Ursachen zur Diskussion, z.B.:

  • Autoimmunprozesse
  • Erbliche Vorbelastungen
  • Umweltgifte und
  • Rauchen

Sehr wahrscheinlich entsteht die Erkrankung durch eine Mischung von verschiedenen Einflüssen.

Die Behandlung von Rheuma

Ziel der Rheumatherapie ist es, die Entzündungen zurückzudrängen und gleichzeitig die Schmerzen zu verringern.

Am besten bewährt haben sich dafür die nicht-steroidalen Antirheumatika, kurz NSAR. Dabei handelt es sich um sehr effektive Schmerzmittel, wie z. B. Diclofenac.

Für die Langzeitanwendung sind sie jedoch nicht zu empfehlen. Diese Schmerzmittel schädigen Nieren und Magen. Sie sollten sie deshalb nicht dauerhaft einnehmen. In schlimmen Fällen von Rheuma gibt es jedoch nicht viele Alternativen.

Darüber hinaus gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von naturheilkundlichen Ansätzen. Sie reichen von Weidenrinde über Grünlippmuschel bis hin zur Blutegeltherapie

Natürliche Therapiemethoden benötigen jedoch in der Regel längere Zeit, um zu wirken. Eine Wirkung ist auch nur dann zu erwarten, wenn die Krankheit noch nicht zu weit fortgeschritten ist.

Unterstützend zur medikamentösen Therapie hilft sanfte Bewegung, um das Fortschreiten des Rheumas zu verlangsamen. Hier kommt der Physiotherapie eine große Bedeutung zu.

Weitere gut geeignete und gelenkschonende Möglichkeiten für mehr Bewegung sind:

  • Spaziergänge
  • Radfahren oder
  • Schwimmen

Sonderfall Ernährung

Rheuma lässt sich sehr gut über eine angemessene Ernährungsweise beeinflussen. Obst und Gemüse sowie wenig Fleisch, dafür Ei und Fisch gehören auf den Tisch des Rheumatikers. Das gilt für alle Rheumaformen, egal ob Rheumatoide Arthritis, Arthrose, oder Gicht.

Fleisch enthält sehr viele tierische Fettsäuren, von denen die Arachidonsäure am gefährlichsten ist. 

Daraus bildet der Körper Prostaglandine, sogenannte Entzündungsbotenstoffe. 

Wer also viel Fleisch isst, nimmt auch viel Arachidonsäure auf. Das ist die Grundlage für eine regelrechte Prostaglandin-Schwemme. Dadurch schnellen die Entzündungswerte im Körper in die Höhe.

Daraus resultieren mehr Rheumaschmerzen und ein schnellerer Verfall der betroffenen Gelenke.

Fisch enthält im Gegenzug zu Fleisch viele Omega-3-Fettsäuren. Das sind natürliche Gegenspieler von Arachidonsäure. Sie blockieren das Enzym, das die Entzündungsbotenstoffe herstellt. Dadurch kommt das Rheuma zur Ruhe.

Eier enthalten hochwertige Proteine. Sie sind das Baumaterial für den Körper, das die Schäden durch die Entzündungen wieder ein wenig ausbessern kann.

Obst und Gemüse liefern Vitamine und Mineralstoffe. Diese unterstützen die Gesundheit und wirken als Antioxidantien gegen Entzündungen.

Eine ausgewogene und bewusste Ernährung ist somit ein wichtiger Grundstein für die Rheumatherapie. Gleichzeitig dient sie als Rheuma-Prävention.

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zu Rheuma und rheumatischen Erkrankungen

Was ist der genaue Unterschied zwischen Rheuma und rheumatoider Arthritis?

Der Begriff Rheuma oder Rheumatismus ist eigentlich ein historisch gewachsener Sammelbegriff für fließende, ziehende Schmerzen am Bewegungsapparat und keine einzelne Diagnose. Wenn Ärzte jedoch von einer spezifischen Erkrankung sprechen, meinen sie oft die rheumatoide Arthritis. Diese ist eine konkret definierte, entzündlich-rheumatische Erkrankung, die durch eine Autoimmunreaktion entsteht, chronisch verläuft und primär die Gelenke durch Entzündungsprozesse zerstört.

Können bei Rheuma auch Organe betroffen sein?

Ja, viele Formen aus dem rheumatischen Formenkreis sind Systemerkrankungen. Das bedeutet, dass die Entzündung sich nicht ausschließlich auf Knochen, Knorpel und Gelenke beschränkt. Innere Organe wie das Herz, die Lunge, die Nieren und der Darm können ebenso befallen und geschädigt werden. Auch die Augen sind häufig betroffen, etwa durch eine Entzündung der Tränendrüsen beim Sjögren-Syndrom oder der Regenbogenhaut, sowie die Blutgefäße bei den sogenannten Vaskulitiden.

Ist Rheuma heutzutage heilbar?

Die meisten chronischen rheumatischen Erkrankungen, insbesondere die rheumatoide Arthritis oder Morbus Bechterew, gelten bisher als nicht vollständig heilbar. Dank moderner Medikamente und früher Therapie lässt sich der Krankheitsverlauf heute jedoch oft so gut kontrollieren, dass die Entzündung fast vollständig zurückgeht. Mediziner sprechen dann von einer Remission, sodass die betroffenen Menschen mit Rheuma nahezu beschwerdefrei leben können und Gelenkzerstörungen verhindert werden.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Rheuma?

Die Ernährung hat einen direkten Einfluss auf das Entzündungsgeschehen im Körper. Bestimmte Lebensmittel, vor allem rotes Fleisch und Wurstwaren, enthalten Arachidonsäure, die Entzündungsprozesse im Gewebe anfeuern kann. Eine überwiegend pflanzliche Kost, ergänzt durch Fisch, der reich an Omega-3-Fettsäuren ist, wirkt hingegen entzündungshemmend. Viele Patienten können durch eine Ernährungsumstellung ihre Beschwerden lindern und die Dosis ihrer Schmerzmittel reduzieren.

Was versteht man unter Kollagenosen?

Kollagenosen sind eine spezielle Gruppe von rheumatischen Autoimmunerkrankungen, die primär das Bindegewebe betreffen. Da Bindegewebe überall im Körper vorkommt, können die Symptome sehr vielfältig sein und Haut, Gelenke sowie Organe betreffen. Zu den bekanntesten Kollagenosen gehören der systemische Lupus erythematodes, die Sklerodermie und das Sjögren-Syndrom.

Können auch Kinder schon Rheuma bekommen?

Ja, Rheuma ist keine reine Alte-Leute-Krankheit. Auch Kinder und Jugendliche können an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung leiden. Die häufigste Form ist die juvenile idiopathische Arthritis. Da sich das kindliche Skelett noch im Wachstum befindet, ist eine schnelle Diagnose durch einen Kinderrheumatologen besonders wichtig, um bleibende Fehlstellungen und Wachstumsstörungen zu vermeiden.

Welche Aufgaben hat die Deutsche Rheuma-Liga?

Die Deutsche Rheuma-Liga ist die größte Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Rheuma in Deutschland. Sie bietet Betroffenen Beratung, Informationen zu Krankheitsbildern und Therapiemöglichkeiten sowie praktische Hilfe im Alltag. Zudem organisiert sie Funktionstraining und vertritt die Interessen der Patienten gegenüber der Politik und dem Gesundheitswesen. Für viele Patienten ist sie nach der Diagnose die erste Anlaufstelle für Unterstützung.

Was ist Morbus Bechterew?

Morbus Bechterew, medizinisch Spondylitis ankylosans genannt, ist eine chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule und die Kreuz-Darmbein-Gelenke betrifft. Die Entzündung führt zu tiefsitzenden Rückenschmerzen, oft in der zweiten Nachthälfte, und kann im Spätstadium zu einer knöchernen Versteifung der Wirbelsäule führen, wodurch die Beweglichkeit des Rumpfes stark eingeschränkt wird.