Weltweit gesehen sind Hepatitisinfektionen (Leberentzündungen) eine der am meisten verbreiteten Infektionskrankheiten überhaupt. Sie können zu einer akuten und/oder chronischen Entzündung führen. Anders als Lebertumoren betrifft eine Leberentzündung häufig nicht nur einen Teilabschnitt der Leber, sondern das ganze Organ.
Leberentzündungen können akut oder chronisch auftreten. Gefürchtet ist das Leberversagen. Es kann sich
- im Verlauf einer schwer verlaufenden akuten Leberentzündung (Hepatitis) oder
- in der Folge von weniger stark ausgeprägten, aber anhaltenden und damit chronischen Entzündungsaktivitäten
entwickeln.

Die Lage der Leber im menschlichen Körper © yodiyim | AdobeStock
Durch die Entzündung kommt es zum Untergang der Leberzellen, also zum Absterben der Zellen.
Letztlich ist die Hepatitis Ausdruck einer uniformen Reaktion der Leber auf verschiedene Krankheitsursachen und Erreger. Dies können Viren oder Bakterien sein, aber auch Autoimmunerkrankungen (Primär biliäre Cholangitis (PBC), primär sklerosierende Cholangitis (PSC) oder autoimmune Hepatitis (AIH)) der Leber und/oder Gallenwege können zu einer Hepatitis führen.
Von einer chronischen Hepatitis spricht man dann, wenn die Krankheit länger als sechs Monate anhält.
Häufige Ursachen für eine akute oder chronische Hepatitis sind
- der übermäßige Konsum von Alkohol und
- Übergewicht mit entsprechender Beeinträchtigung des Fett- und Zucker-Stoffwechsels.
In diesen letzteren Fällen kommt es zu Fettleberentzündung (steatotic liver disease, SLD), der sogenannten Steatohepatitis. Sie kann
- durch Alkohol ausgelöst sein (metALD, metabolic and alcohol-related liver disease ) oder
- ohne Alkoholkonsum durch metabolische Faktoren (u.a. Übergewicht) entstehen (MASLD (metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease).
Es werden entzündliche und tumoröse Lebererkrankungen unterschieden. Zu den Lebererkrankungen zählen:
- Hepatitis
- Fettleber
- Leberzirrhose
- Leberkoma
- Akutes Leberversagen
- Echinokokkosen (Infektionen mit Fuchs- oder Hundebandwurm).

Die Leber und die Gallenblase © Maksym Yemelyanov | AdobeStock
Die Leber ist mit der Gallenblase über die Gallenwege verbunden. Sie transportieren die Gallenflüssigkeit aus der Leber in den Zwölffingerdarm (Duodenum). Daher gehören zu den Lebererkrankungen im weiteren Sinne auch die Entzündung der Gallenwege, auch Cholangitis genannt.
Unterschieden werden die primär biliäre Cholangitis (PBC) und die primär sklerosierende Cholangitis (PSC). Diese Krankheitsbilder gehören zu den cholestatischen Lebererkrankungen.
Lebertumoren können bösartig oder gutartig sein. Gutartige Tumoren sind nicht lebensbedrohlich, können aber ebenfalls Beschwerden verursachen. Entscheidend ist hier oft die Größe und Art des Tumors.
Bösartige Tumore durchbrechen die Strukturgrenzen der Organe und können Absiedlungen in anderen Organen ausbilden (Metastasierung).
Tumoren der Leber können im Organ selbst entstehen und werden damit als primäre Tumoren bezeichnet. Dazu gehören zum Beispiel
Meistens handelt es sich jedoch um sekundäre Tumoren, also Lebermetastasen. In diesem Fall gelangten die Krebszellen von einem andern Tumoren über die Blut- und Lymphbahnen in die Leber. Lebermetastasen entstehen häufig durch
Bei Lebermetastasen muss also auch der Ursprungstumor behandelt werden.
Tumoren der Leber werden häufig erst dann bemerkt, wenn sich deutliche Symptome zeigen oder bei Vorsorgeuntersuchungen als Zufallsbefund, wie
- Gewichtsverlust,
- eine allgemeine Abgeschlagenheit und
- Schwäche des Patienten.
Das häufigste Symptom ist meist zunächst Abgeschlagenheit/Müdigkeit, die sog. Fatigue.
Ein typisches weiteres Symptom, das auf eine Lebererkrankung hindeuten kann, ist der Juckreiz, der durch eine Abflussstörung der Galle ausgelöst wird. Stoffwechselabfallprodukte bleiben dann im Körper und lösen dieses Symptom, fachsprachlich Pruritus genannt, aus.
Manchmal wird der Juckreiz als "Schmerzäußerung der Leber" bezeichnet. Die Leber selbst ist nur in ihrer Kapsel aus Bindegewebe, aber nicht innen im Organ schmerzempfindlich.
Das Kardinalsymtom der Leber ist die Gelbfärbung (Ikterus) der Skleren der Augen und in schwerer Ausprägung auch der Haut. Es gibt auch einen speziellen Mundgeruch bei Patienten mit weit fortgeschrittener Lebererkrankung. Medizinisch wird dieser Mundgeruch Foetor hepaticus bezeichnet. Er ist allerdings wegen seines späten Auftretens in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien nicht für die Früherkennung einer Lebererkrankung geeignet.
Eine chronische Leberentzündung kann in das Stadium der Lebervernarbung, also eine sogenannte Zirrhose münden. Die Leberfunktion kann sich in diesem Fall nur noch teilweise erholen. Bei der Zirrhose wird Lebergewebe in Bindegewebe umgewandelt. Diese strukturellen Umbauten sind teils so fortgeschritten, dass sie sich nicht mehr zurückbilden.
Allerdings kann die Leber auch noch mit einer Reserve von nur einem Teil des Organs in vielen Fällen ihre überlebenswichtigen Aufgaben aufrechterhalten.
Begleitende Symptome einer Leberzirrhose sind
- Konzentrationsstörungen,
- Zittern und Zuckungen der Muskeln,
- starke Erschöpfung.

Darstellung von Leberzirrhose im weit fortgeschrittenen Stadium © SciePro | AdobeStock
Bei Symptomen, die auf eine Lebererkrankung hinweisen, ist die gründliche Untersuchung durch einen Arzt von großer Bedeutung. Die individuelle Krankheitsgeschichte, alle Symptome und Hinweise zur Ernährung und Lebensweise werden erfasst (Anamnese).
Der Arzt tastet den Oberbauch ab, um mögliche Schwelllungen, Vergrößerungen und Verhärtungen der Leber zu erspüren.
Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) zeigt den Zustand der Leber und Gallenwege.
Die Gallengänge können zudem endoskopisch oder radiologisch untersucht werden. Veränderungen oder auch Gallensteine können dabei erkannt und entfernt werden (ERCP und Cholangioskopie).
Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über mögliche Abweichungen der Normalwerte. Erhöhte Leukozytenanzahl und erhöhtes C-reaktives Protein sind übliche Entzündungsmarker. Auch Hinweise auf eine Abwehrreaktion des Immunsystems bei einer Infektion mit Hepatitis-Viren lassen sich im Blut erkennen.
Die Leberbiopsie (Gewebeprobe) liefert dem Arzt Erkenntnisse zum Gewebezustand der Leber. Dabei wird das Organ durch die Bauchhaut und die Rippen mit einer hohlen Nadel punktiert. Der Vorgang dauert nur wenige Sekunden und wird mit leichter Betäubung durchgeführt.
Die Behandlung einer Lebererkrankung richtet sich nach deren genauen Ursachen. Eine nur leicht geschädigte Leber kann sich durchaus wieder erholen. Schäden der Leber bei Zirrhose bilden sich nicht wieder zurück, die Umbauten sind irreversibel. Schwerwiegende Lebererkrankungen, wie akutes Leberversagen oder das Leberkoma sind medizinische Notfälle, die unbedingt klinisch behandelt werden.
Viele Infektionskrankheiten sind durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu vermeiden: so kann gegen das Hepatitis B Virus geimpft werden und eine Infektion entsprechend verhindert werden. Gegen das Hepatitis C Virus gibt es neuerdings sehr wirksame Medikamente. Auch gegen bakterielle oder parasitäre Infektionen der Leber sind wirksame Medikamente verfügbar.
Aber auch einfache hygienische Standards helfen, die Entwicklung einer Hepatitis zu vermeiden. So ist in vielen Ländern der Erde kontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel ein möglicher Infektionsweg für einige dieser Erkrankungen.

Sauberes Trinkwasser ist nicht überall eine Selbstverständlichkeit © noon@photo | AdobeStock
Bei den Hepatitiden, die durch Alkoholkonsum oder Übergewicht ausgelöst werden, kann nur das Meiden dieser Auslöser zu einer Besserung führen. Bisher sind hier nur wenige wirksame Medikamente verfügbar und die schädlichen Faktoren führen praktisch stets zu einer Verschlechterung der Erkrankung. Leberschädigungen durch Alkoholkonsum können durch Abstinenz aufgehalten werden.
In weit fortgeschrittenen Krankheitsstadien einer chronischen Lebererkrankung kann eine Lebertransplantation die einzige Chance auf ein längerfristiges Weiterleben sein. Allerdings stehen derzeit deutlich weniger Organe zur Verfügung als notwendig wären.
Die Therapie der autoimmunen Leberentzündung (autoimmune Hepatitis) wird mit der Gabe von Immunsuppressiva durchgeführt. Dabei kommen vor allem Kortisonpräparate und andere immunmodularorische Therapeutika zum Einsatz. Meistens kann keine vollständige Rückbildung der Entzündungsaktivität erzielt werden, auch über lange Zeiträume.