Medizinisch gibt es zwei unterschiedliche Formen der mikroskopischen Kolitis:
- Die kollagene Kolitis
- Die lymphozytäre Kolitis
Etwa 1 von 1.000 Menschen erkrankt hierzulande an dieser entzündlichen Darmerkrankung. Häufig betrifft es Frauen, die älter als 65 Jahre sind. Die mikroskopische Kolitis tritt etwa fünf mal häufiger bei Frauen auf als bei Männern auf.
Bei der mikroskopischen Kolitis kommt es zu einer Entzündung der Dickdarmschleimhaut (Kolitis) @ David A Litman /AdobeStock
Die genauen Ursachen der Erkrankung sind nach wie vor unbekannt. Experten vermuten eine multifaktorielle Genese. Das bedeutet, dass Krankheitsursachen vielfältig sein können oder sich sogar ergänzen.
Dabei diskutieren Mediziner genetische Prädispositionen sowie Fehler der Immunantwort auf das Darmmikrobiom.
Die genauen Ursachen mikrobieller Kolitis sind unklar. Studien zeigen jedoch Risikofaktoren für entzündliche Darmkrankheiten auf.
Risikofaktoren sind beispielsweise:
- Rauchen
- Dauerhafte Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI)
- Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmern
- Schmerzmedikamente aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR)
- Weibliches Geschlecht
- Höheres Lebensalter (> 65 Jahre)
Die Erkrankung tritt wiederholt auf und führt dann zu wässrigen und blutigen Durchfällen, die bis zu 4 Wochen anhalten können. Diese stellen gleichzeitig das Leitsymptom der mikroskopischen Kolitis dar.
Daneben entwickelt sich oft ein nächtlicher Stuhldrang mit Stuhlinkontinenz. Die Betroffenen können die Durchfälle wortwörtlich nicht mehr aufhalten.
Darüber hinaus treten weitere, jedoch in der Regel weitestgehend unspezifische Symptome auf.
Dazu zählen:
Da sich die Veränderungen insbesondere auf der zellulären Ebene manifestieren, kann die Darmspiegelung (Koloskopie) unauffällig sein.
Die wichtigste Untersuchung zur Erfassung einer mikroskopischen Kolitis ist die Darmspiegelung (Koloskopie) @ Graphicroyalty /AdobeStock
Deshalb stellen Ärzte die Diagnose „mikroskopische Kolitis“ in der Regel anhand des klinischen Bildes, der Symptome und der Biopsie.
Die Probenentnahme erfolgt an mehreren Stellen des Darms, da die mikroskopische Kolitis nicht überall im Darm gleichmäßig ausgebildet ist.
Durch ein solches Vorgehen erhöht sich die Chance, diagnostisch verwertbares Material zu finden. Ärzte sprechen in diesem Fall von einer „Stufenbiopsie".
Je nach Befundlage kommen auch andere Darmerkrankungen in Frage, die der Arzt in der Differentialdiagnose ausschließen möchte.
Dazu zählen:
Die „European Microscopic Colitis Group“ und die „United European Gastroenterology“ veröffentlichten 2021 Empfehlungen für die Behandlung der mikroskopischen Kolitis.
Sie unterscheiden sich dabei nach:
- Basismaßnahmen
- Medikamentöse Therapie sowie
- Chirurgische Maßnahmen
Die Basismaßnahmen sind:
- Alkohol- und Rauchverzicht
- Absetzen (ärztlich begleitet) bestimmte Medikamente wie Schmerzmittel und Säurehemmer
Medikamentöse Therapie
Zur Linderung von Symptome eignet sich das Medikament Budesonid. Der Zeitraum beträgt 6 bis 8 Wochen. Bilden sich die Krankheitssymptome in dieser Zeit vollständig zurück (Remission), ist keine weitere Erhaltungstherapie mehr nötig.
Alternativ können Ärzte Loperamid oder Cholestyramin anwenden, wenn der Patient Unverträglichkeiten für Budesonid hat.
Bei anhaltenden Problemen ist eine langfristige Behandlung mit niedrigen Dosen von Budesonid empfehlenswert. Bei einer langfristigen Einnahme von Budesonid ist jedoch eine zusätzliche Versorgung mit Vitamin D und Kalzium wichtig. Sonst kann es zu einer Knochenweiche (Osteoporose) kommen.
In schweren Fällen können außerdem Immunmodulatoren oder Biologika entstehen.
Chirurgische Therapie
Wenn Medikamente nicht helfen, um die Krankheit ausreichend zu kontrollieren, kommt in seltenen Fällen eine Operation (Ileostomie) zum Einsatz.
Die mikroskopische Kolitis ist aufgrund der zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen gut behandelbar. Allerdings hat die Erkrankung als entzündliche Darmkrankheit einen wiederkehrenden (rezidivierenden) Charakter. Es besteht kein erhöhtes Risiko für Darmkrebs.
Die große Gruppe der entzündlichen Darmerkrankungen gehört in die erfahrenen Hände der Gastroenterologie. Experten für die Behandlung der mikroskopischen Kolitis finden Sie daher in ausgewiesenen gastroenterologischen Zentren oder in eigener Praxis.
Weiter oben haben wir Ihnen daher zur Unterstützung einige ausgewiesene mikroskopische Kolitis-Spezialisten und/oder klinische Zentren zusammengestellt.
Was ist eine mikroskopische Kolitis?
Die mikroskopische Kolitis ist eine entzündliche Erkrankung des Dickdarm, die nur unter dem Mikroskop sichtbar wird. Bei der mikroskopischen Kolitis handelt es sich um eine Form der Colitis mit chronisch wässrigem Durchfall. Obwohl die Koloskopie unauffällig erscheinen kann, lässt sich die mikroskopische Kolitis histologisch diagnostizieren.
Welche Formen der mikroskopischen Kolitis gibt es?
Zu den Formen der mikroskopischen Kolitis zählen die kollagene Kolitis und die lymphozytäre Kolitis. Kollagene Kolitis und die lymphozytäre Kolitis unterscheiden sich durch histologische Merkmale. Bei Patienten mit einer lymphozytären Kolitis findet sich eine erhöhte Anzahl von Lymphozyten, während bei der kollagenen Kolitis ein verdicktes Kollagenband sichtbar ist.
Was sind typische Symptome einer mikroskopischen Kolitis?
Leitsymptom der mikroskopischen Kolitis sind chronisch wässrige Durchfälle ohne Blutbeimengung. Weitere Symptome einer mikroskopischen Kolitis können Gewichtsverlust oder Bauchbeschwerden sein. Die mikroskopischen Kolitis kommt häufig bei älteren Patienten vor, wobei die Beschwerden oft schubweise auftreten.
Wie wird die mikroskopische Kolitis behandelt?
Die Therapie der mikroskopischen Kolitis besteht meist in einer Behandlung mit Budesonid. Budesonid in einer Dosierung von 9 mg Budesonid täglich gilt als Therapie der Wahl, später kann auf 6 mg reduziert werden. Nach erfolgreicher Therapie kann es bei manchen Patienten nach Absetzen der Therapie erneut zu Beschwerden kommen.
Was sind mögliche Ursachen der mikroskopischen Kolitis?
Die genauen Ursachen der mikroskopischen Kolitis sind nicht vollständig geklärt. Als Risikofaktor gelten Einnahme bestimmter Medikamente sowie Autoimmunprozesse. Die Entstehung der mikroskopischen Kolitis wird zudem im Zusammenhang mit chronisch entzündliche Darmerkrankungen diskutiert, wobei die Prognose der mikroskopischen Kolitis insgesamt günstig ist.