Die Achillessehne (Tendo calcaneus) ist die dickste und stärkste Sehne im Körper des Menschen. Sie verbindet einen Teil der Beugemuskeln des Beins mit einem Teil des Fußskeletts.
Die Sehne setzt am sogenannten Musculus triceps surae, dem Wadenmuskel, an. In Verlängerung dieses Muskels zieht sie steil nach oben und wird dabei deutlich dünner. So weist sie rund vier Zentimeter nach Beginn ihre schmalste Stelle auf. Danach wird sie wieder breiter und setzt schlussendlich am Fersenbein an.
Insgesamt ist die Achillessehne zwischen 15 und 20 Zentimeter lang.
Ihre wichtigste Funktion ist die Plantarflexion, also die Beugung des Fußes oder der Zehen in Richtung der Fußsohle. Sie ermöglicht auch das Absenken des Fußes im Bereich des Sprunggelenks.
Die Achillessehne spielt also vor allem für das Gehen und Laufen eine entscheidende Rolle.
Der Achillessehnenriss (ICD-Code: S86.0) ist auch als Achillessehnenruptur bekannt. Es handelt sich um einen vollständigen oder teilweisen Riss der Achillessehne.
Selten entsteht eine solche Ruptur durch eine äußere Gewalteinwirkung. Vielmehr basiert der Riss auf einer chronischen Überlastung, beispielsweise durch zu viel oder das falsche Sporttraining. Oft betrifft der Riss der Sehne den Bereich wenige Zentimeter oberhalb des Fersenbeins, wo die Sehne am empfindlichsten ist.
Oft reißt die Sehne an der schmalsten Stelle, gelegentlich treten aber auch Rupturen am Ansatz der Sehne auf.

Die Lage der Achillessehne im hinteren Bereich des Fußes und Darstellung eines Achillessehnenrisses © Henrie / Fotolia
Nach einem Riss der Achillessehne ist das Sprunggelenk nicht mehr vollständig funktionsfähig, sodass es zu Bewegungseinschränkungen kommt.
Je nach Art der Verletzung kann der Achillessehnenriss konservativ oder operativ versorgt werden.
Die Ruptur der Achillessehne ist eine typische Sportverletzung. Die Sehne reißt meistens durch eine plötzliche und starke Belastung. Insbesondere schnelle Sprints mit abrupten Stoppbewegungen und vielen plötzlichen Richtungswechseln beanspruchen das Sprunggelenk. Riskant für die Achillessehne sind beispielsweise
- Tennis,
- Fußball,
- Skifahren oder
- Laufsport.
Bei untrainierten Menschen kann die Achillessehne bereits bei leichteren Belastungen reißen.

Schnelle Richtungswechsel beim Sport sind meistens die Ursache für eine Achillessehnenruptur © pavel1964 / Fotolia
Grundsätzlich gilt aber: Eine gesunde Achillessehne reißt nicht. In den meisten Fällen liegt bereits vor dem eigentlichen Riss eine Schädigung des Sehnengewebes vor.
So können Entzündungen durch kleinste Risse die Widerstandsfähigkeit der Sehnenstruktur beeinträchtigen. Dazu gehören die Achillodynie oder die Haglundferse.
Besonders häufig treten solche Sehnenschäden bei Erkrankungen wie
auf. Aber auch anhaltend hohe Belastungen können das Sehnengewebe nachhaltig schädigen.
Neben intensivem Sport mit plötzlichen Bewegungen gibt es weitere Risikofaktoren für einen Achillessehnenriss. Dazu gehören
- angeborene oder erworbene Fußfehlstellungen (zum Beispiel ein Plattfuß),
- ungeeignete Schuhe oder
- eine verkürzte Wadenmuskulatur.
Ein vorausgegangener Teilriss der Achillessehne erhöht ebenfalls die Wahrscheinlichkeit für eine zweite, dann meist vollständige, Ruptur.
Zu den Risiken für einen Achillessehnenriss zählen sowohl aktive Patienten mit hoher Trainingsbelastung als auch ältere Patienten mit bereits geschädigtem Sehnengewebe.

Die Achillessehne kann von verschiedenen Erkrankungen betroffen sein © bilderzwerg / Fotolia
Eine Achillessehnenruptur kann sich im Vorfeld bei einer
- chronischen Achillessehnenreizung (Achillodynie) oder
- Entzündung der Sehne
durch Schmerzen bei Anspannung oder Dehnung der Wadenmuskulatur äußern. Ebenso kann eine längerfristige Belastung des Fußgelenks Schmerzen verursachen.
Der Achillessehnenriss selbst macht sich durch einen lauten peitschenartigen Ton bemerkbar. Dieser sogenannte Peitschenschlag ist vor allem bei Rissen infolge einer sehr intensiven Belastung oder einer plötzlichen Bewegung gut hörbar.
Unmittelbar nach dem Peitschenschlag spüren die Betroffenen heftige, stechende Schmerzen oberhalb der Ferse. Die verletzte Person kann die Ruptur aufgrund der besonderen Schmerzsymptomatik zunächst mit einem Tritt gegen die Wade oder Ferse verwechseln.
Im Bereich oberhalb der Ferse sind schon kurze Zeit nach der Ruptur Dellen und/oder Blutergüsse sicht- und tastbar. Die Rückseite des Knöchels und der Bereich der Wade erscheinen geschwollen.
Durch die Verletzung kann die Fußspitze nicht mehr in Richtung der Fußsohle gesenkt werden. Laufen ist in den meisten Fällen völlig unmöglich, das Gehen gelingt gelegentlich unter heftigen Schmerzen. Allerdings kann der Fuß keinesfalls mehr abgerollt werden.
Der Arzt erkennt einen Achillessehenriss meistens anhand der charakteristischen Anzeichen am Fuß. Um seinen Verdacht auf einen Achillessehnenriss zu bestätigen, lässt er sich vom Betroffenen den genauen Unfallhergang schildern (Anamnese).
Im Rahmen der körperlichen Untersuchung achtet er vor allem auf sicht- oder tastbare Dellen im Bereich der Achillessehne sowie auf Blutergüsse.
Weitere Hinweise liefert der Thompson-Test. Bei diesem Test liegt der Patient auf dem Bauch und lässt den Fuß mit der Verletzung frei von der Behandlungsliege hängen. Der Arzt drückt nun die Wadenmuskeln mit seinen Händen zusammen. Ist die Achillessehne intakt, bewegen sich die Zehen reflexartig in Richtung der Sohle. In diesem Fall ist der Thompson-Test negativ.
Bei einem positiven Thompson-Test bleibt der Reflex aus. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf eine Achillessehnenruptur.
Ferner können bildgebende Verfahren zur Diagnosestellung genutzt werden. Mit einer Röntgenuntersuchung kann ein Orthopäde einen knöchernen Ausriss ausschließen. Bei dieser Verletzung wäre nicht nur die Achillessehne betroffen, sondern auch Bestandteile des Knochens.
Mithilfe der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) überprüft der Arzt die Rissstelle genauer. Er kann so beurteilen, wie weit die Sehnenenden auseinanderliegen. Das ist vor allem für die Wahl der Therapieverfahren von Bedeutung.
Liefert die Ultraschalluntersuchung keine eindeutigen Ergebnisse, kann auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) weitere Details liefern.
Die Behandlung eines Achillessehnenrisses richtet sich nach der Schwere des Risses. Sie kann entweder durch eine konservative Therapie des Achillessehnenrisses oder durch eine operative Behandlung erfolgen. Ziel der Behandlung ist es, die volle Funktionsfähigkeit und Belastbarkeit der Sehne und des Knöchels wiederherzustellen.
Konservative Therapie eines Achillessehnenrisses
Nicht immer ist eine OP zur Behandlung der Achillissehnenruptur erforderlich. In manchen Fällen kann auch eine konservative Behandlung ausreichen:
- bei einer Teilruptur,
- bei sportlich wenig aktiven Patienten,
- bei einem höheren Komplikationsrisiko für eine OP, etwa durch Vorerkrankungen.
Zur konservativen Versorgung erhalten die Patienten einen Unterschenkelgips. Die Behandlung ist eine Ruhigstellung des Fußes. Er fixiert dabei den Fuß für zwei Wochen in einer Spitzfußstellung. Anschließend wird dieser Gips durch Schuh- oder Stiefelorthesen ersetzt, die im Bereich der Ferse erhöht sind. Durch diese Spitzfußstellung wachsen die Sehnenenden leichter zusammen.
Im Verlauf der konservativen Behandlung passt der Orthopäde diese Orthesen immer mehr der physiologischen Fußstellung an.
Um den Erfolg der Behandlung zu überprüfen, führt der Arzt zudem in regelmäßigen Abständen Ultraschalluntersuchungen durch.

Nach der Therapie muss der Patient den betroffenen Fuß einige Zeit ruhighalten © sunnychicka / Fotolia
Allerdings ist eine konservative Behandlung nur möglich, wenn die Sehnenenden noch in Kontakt miteinander kommen können. Liegen die Sehnenenden sehr weit auseinander, können sie nicht mehr miteinander verwachsen und müssen in einer Operation verbunden werden.
Operative Therapie eines Achillessehnenrisses
Eine Operation wird vor allem bei jungen Sportlern oder bei ausgeprägten Rissen durchgeführt. Der chirurgische Eingriff hat den Vorteil, dass die Achillessehne im Vergleich zur konservativen Maßnahmen seltener ein zweites Mal reißt. Allerdings können bei der Operation wie bei jeder anderen OP auch Komplikationen auftreten.
Bei der Operation näht der Chirurg die Sehnenenden wieder zusammen. Dafür setzt er einen Schnitt direkt über der Achillessehne und öffnet den Sehnenschlauch, der die Sehne umgibt. In den meisten Fällen kommt zur Vernähung der Sehnen ein besonderes Nahtmaterial zum Einsatz, das sich nach einigen Wochen von selbst abbaut.
Um den Heilungsprozess zu fördern, erhalten die Patienten im Anschluss an die OP für einige Tage einen Gips.
Sowohl bei der konservativen als auch bei der operativen Behandlung ist es wichtig, den Fuß so früh wie möglich wieder zu belasten. Hier kann eine eingeschränkte Bewegungstherapie sinnvoll sein. Sportliche Aktivitäten sind jedoch erst nach einigen Monaten wieder möglich.
Der Verlauf der Erkrankung, die Heilungsdauer und die Prognose hängen vor allem von der Behandlung ab. Eine passende, frühzeitige Behandlung mit betreuter Nachsorge durch einen Physiotherapeuten ist von größter Bedeutung. Dann lassen sich die Funktion des Sprunggelenks und die Belastbarkeit der Sehne in vielen Fällen wieder herstellen.
Die Nachsorge beginnt meist nach sechs Wochen und dauert insgesamt etwa 6 bis 8 Wochen. Die Genesungsdauer kann je nach Patient variieren, oft vergehen mehrere Monate nach dem Achillessehnenriss, bis wieder volle Belastbarkeit erreicht ist. Nach rund sechs Monaten können die meisten Patienten wieder ohne Schmerzen Sport treiben oder sogar an Wettkämpfen teilnehmen.
Leistungssportler können nach einem Riss der Achillessehne hingegen selten an ihre vorherigen Erfolge anknüpfen. Sie müssen ihre Karriere in vielen Fällen beenden.
Wichtig ist eine frühzeitige ärztliche Behandlung, um Komplikationen zu vermeiden. Im weiteren Verlauf sollte die krankengymnastische Behandlung beginnen, um die Beweglichkeit und Kraft im Sprunggelenk gezielt wieder aufzubauen.
1. Wie entsteht ein Achillessehnenriss?
Ein Achillessehnenriss entsteht meist durch eine starke, plötzliche Belastung – etwa beim Sport oder durch abrupte Bewegungen des Sprunggelenks. Häufig reißt die Sehne wenige Zentimeter oberhalb des Fersenbeins, wo sie am empfindlichsten ist.
2. Welche Anzeichen deuten auf eine Ruptur hin?
Typisch sind ein lauter Knall, stechende Schmerzen und eine Schwellung oberhalb der Ferse. Betroffene können den Fuß nicht mehr aktiv absenken oder auf den Zehenspitzen stehen. Auch eine sichtbare Delle an der Rückseite des Sprunggelenks kann auf den Riss der Sehne hinweisen.
3. Wie wird die Diagnose gestellt?
Neben der körperlichen Untersuchung und dem Thompson-Test kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT zum Einsatz. Damit überprüft der Orthopäde, wie stark die Achillessehne gerissen ist und ob eine chirurgische Behandlung notwendig ist.
4. Wie lange dauert die Heilung nach einem Achillessehnenriss?
Die Genesungsdauer hängt von der Art der Therapie ab. Nach einer konservativen Therapie mit Gips oder Spezialschuh beginnt meist nach sechs Wochen die schrittweise Belastung. Insgesamt dauert die Genesung rund sechs bis acht Wochen, bis Patienten wieder normal gehen können – sportliche Aktivitäten sind erst nach mehreren Monaten ratsam.