Glenoidfraktur: Bruch der Schulterpfanne

30.01.2026
Univ. Prof. Dr. Peter Biberthaler
Medizinischer Fachautor

Bei einer Glenoidfraktur handelt es sich um einen Bruch der Schulterpfanne, der häufig im Zusammenhang mit einer Schulterluxation auftritt. Er führt oft zur Instabilität des Schultergelenks. Mithilfe moderner unfallchirurgischer Verfahren lassen sich Glenoidfrakturen aber gut behandeln. Hier finden Sie weiterführende Informationen sowie ausgewählte Glenoidfraktur-Spezialisten und Zentren.

ICD-Codes für diese Krankheit: S42.14

Kurzübersicht:

Eine Glenoidfraktur ist eine Fraktur der Schulterpfanne (Cavitas glenoidalis), die häufig durch einen Unfallmechanismus mit einer sehr hohen Aufprallenergie entsteht. Je nach Ausmaß kann die gesamte Schulterpfanne betroffen sein, was zu Stabilitätsverlust und deutlicher Bewegungseinschränkung führt. Die genaue Beurteilung erfolgt meist mittels Röntgenaufnahme und ergänzend durch Computertomographie. Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung der Gelenkfläche, um langfristige Schäden wie Schulterarthrose zu vermeiden.

Artikelübersicht

Anatomie der Schulterpfanne

Das Schulterblatt trägt auf der Seite die Schulterpfanne, die wie ein kleiner Suppenteller geformt ist. Die Kugel des Oberarmkopfes passt genau in die Rundung dieses "Tellers". Die Schulterpfanne (medizinisch: Glenoid) und der Oberarmkopf bilden zusammen den wesentlichen Teil des Schultergelenkes.

Anatomie der Schulter
Anatomie der Schulter mit Oberarmkopf und Glenoid © bilderzwerg | AdobeStock

Glenoidfraktur: Bruch der Schulterpfanne - Infos zu Symptomen, Diagnose, Unfallchirurgie & Orthopäden

Einteilung von Glenoidfrakturen

Die Glenoidfrakturen teilen sich in zwei wesentliche Bereiche auf.

Es gibt die kleineren, meist nur an der vorderen Kante der Schulterpfanne gelegenen Rand-Brüche, die im Rahmen von ausgerenkten Schultern auftreten, etwa

Diese Brüche der Schulterpfanne nennt man auch Bankart-Frakturen. Sie entstehen meist durch einen Unfallmechanismus, bei dem die Aufprallenergie relativ gering ist (Niedrig-Energie-Mechanismus). Beispielsweise kann die Schulterpfanne bei einem einfachen Sturz durch den Ausrenk-Mechanismus teilweise abbrechen.

Bei Glenoidfrakturen, die die ganze Schulterpfanne betreffen, spricht man wegen der notwendigen hohen Kräfte von einem Hoch-Energie-Mechanismus. Häufig sind Verkehrsunfälle die Ursache für solche Glenoidfrakturen.

Symptome einer Glenoidfraktur

Alle Glenoidfrakturen sind relativ schmerzhaft.

Die kleineren Bankart-Frakturen erscheinen zwar von der Ausdehnung her klein, haben aber eine große funktionelle Wirkung.

Die Schultergelenkpfanne ist viel kleiner als der korrespondierende Oberarmkopf. Ein Großteil der Gelenkstabilität ergibt sich daher aus den umgebenden Weichteilen, die am Rand der Schulterpfanne angewachsen sind. Auch wenn die umgebenden Weichteile zunächst scheinbar intakt erscheinen, ist die mechanische Stabilität häufig deutlich reduziert. Wenn nun dieser Rand abgebrochen ist, kann auch der Weichteilkomplex seine stabilisierende Funktion nicht aufrechterhalten. Dadurch wird das Schultergelenk insgesamt häufig instabil. Insbesondere das Labrum, ein knorpeliger Ring am Pfannenrand, spielt dabei eine wichtige stabilisierende Rolle.

Das bedeutet, dass das Gelenk häufig auskugelt und die Betroffenen ein unangenehmes Gefühl der Instabilität haben. Es tritt das Gefühl auf, dass man sich nicht auf das Schultergelenk verlassen kann.

Das führt dann oft dazu, dass ausladende Bewegungen vermieden werden und der Bewegungsumfang sich deutlich reduziert. Die komplexen Trümmerfrakturen sind außerdem so schmerzhaft, dass die betroffenen Patienten das Schultergelenk meist komplett in Schonhaltung ruhig halten.

Diagnose einer Glenoidfraktur

Die Diagnose einer Schulterbruchfraktur wird mittels Röntgenaufnahmen gestellt. Bei komplexeren Brüchen kann auch eine Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) zum Einsatz kommen.

Glenoidfraktur

Behandlung eines Bruchs der Schulterpfanne

Das gemeinsame Problem aller Glenoidfrakturen ist ihr direkter Einfluss auf die Stabilität des Schultergelenks.

Junge, sportlich aktive Patienten haben meistens einen Anspruch an die Beweglichkeit ihrer Schulter. Deswegen erfordern fast alle Schulterbruchfrakturen eine operative Therapie.

Das Ziel jeder operativen Therapie ist die Reposition der verschobenen Knochenfragmente in ihre anatomisch korrekte Lage. Dort müssen sie so lange fixiert werden, bis sie wieder angewachsen sind. Für die Fixierung nutzt der Unfallchirurg häufig

  • Fäden,
  • Drähte,
  • Schrauben oder
  • Platten.

Die kleineren Rand-Brüche oder Bankart-Frakturen lassen sich oft im Rahmen der arthroskopischen Schulterchirurgie versorgen. Die Schulter-Arthroskopie ist ein minimal-invasives Verfahren, bei dem der Chirurg mit sehr kleinen Hautschnitten auskommt. Die kleineren Rand-Brüche lassen sich oft arthroskopisch versorgen.

Über einen kleinen Schnitt schiebt er einen dünnen Schlauch zum Gelenk vor. An dessen Spitze befindet sich eine Kameraoptik. Der Operateur sieht das Bild der Kamera mehrfach vergrößert auf einem Monitor. Auch winzige Instrumente können durch sehr kleine Schnitte zum Operationsgebiet gebracht werden.

Mit einer Arthroskopie ist es möglich, den verschobenen Knochen wieder an seine ursprüngliche Stelle zurückzubringen und dort zu fixieren.

Bei komplexeren Schulterbruchfrakturen ist unter Umständen eine offene, große Operation mit Schrauben und Platten notwendig. Dieses Verfahren wird medizinisch als Osteosynthese oder Schraubenosteosynthese bezeichnet.

Schulterarthroskopie
Darstellung einer Schulterarthroskopie am Beispiel einer Schleimbeutelentzündung © bilderzwerg | AdobeStock

Heilungschancen bei Glenoidfrakturen

Voraussetzung für gute Ergebnisse ist eine möglichst anatomische Rekonstruktion der Gelenkfläche. Lassen sich die Knochenstücke wieder in ihre ursprüngliche Position bringen und dort fixieren, sind die Heilungsaussichten sehr gut. Meist bleibt bei diesen Glenoidfrakturen nur eine geringe Bewegungseinschränkung zurück.

Je komplexer der Unfall und je höher die Energie, die auf das Gelenk einwirkt, umso größer ist auch der Schaden, der am Knorpel und den Weichteilen entsteht. Daher bergen alle diese Gelenkfrakturen ein höheres Arthrose-Risiko für die Patienten. Bei schweren Fehlstellungen kann es langfristig auch zu einer Subtraktion des Humeruskopfes gegenüber der Gelenkpfanne kommen.

Ohne Operation sind die Heilungschancen bei Glenoidfrakturen sehr schlecht. Bankart-Frakturen führen zu einer instabilen Schulter, die immer wieder auskugeln. Die komplexeren Trümmerbrüche verheilen in Fehlstellung und führen so meist zum Einsteifen der Schulter.

Fazit zur Glenoidfraktur

Die Verletzungen der Schulterpfanne haben direkten Einfluss auf die Schulterfunktion und führen oft zur Instabilität. Mittels moderner unfallchirurgischer Verfahren lassen sich die Glenoidfrakturen meist gut wieder einrenken. DIe Bruchstücke lassen sich so fixieren, dass die Gelenkpfanne weitgehend in ihrer ursprünglichen Form ausheilt. Dann sind die funktionellen Konsequenzen gering.

Komplexe Glenoidfrakturen führen leider häufig auch zu einem größeren Knorpelschaden und damit auch zu einem höheren Arthrose-Risiko.

Insgesamt ist eine Schulterbruchfraktur eine komplexe Verletzung mit großen potentiellen Folgen für die betroffenen Patienten. Die Behandlung gehört daher in die Hände von erfahrenen Spezialisten.

FAQ

Was genau ist eine Glenoidfraktur?
Eine Glenoidfraktur bezeichnet einen Bruch der gesamten Schulterpfanne oder eines Anteils davon, meist infolge eines Sturzes oder Verkehrsunfalls.

Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch Bildgebung, insbesondere durch Röntgen und bei komplexen Fällen zusätzlich durch Computertomographie.

Wann ist eine Operation notwendig?
Eine operative Versorgung ist meist erforderlich, wenn eine Fehlstellung der Gelenkfläche vorliegt oder das Schultergelenk instabil ist.

Gibt es auch eine konservative Therapie?
Eine konservative Therapie kommt nur bei sehr kleinen, nicht verschobenen Brüchen in Betracht. In diesen Fällen kann kurzfristig eine Schulterorthese sinnvoll sein, insbesondere bei älteren Patienten oder sogenannten Springern.

Welche Rolle spielt die Nachbehandlung?
Postoperativ ist oft Physiotherapie notwendig, um die Schulterfunktion schrittweise wiederherzustellen und die Beweglichkeit zu verbessern.

Bilder: Radiologisches Bildmaterial wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Herrn Dr. Stefan Wirth.