Kahnbeinbrüche (Skaphoidfraktur): Symptome und Behandlung bei Kahnbeinbruch

28.01.2026
Dr. rer. nat. Marcus Mau
Autor des Fachartikels

Ein Sturz beim Sport oder im Alltag ist schnell passiert. Reflexartig fangen wir uns mit der Hand ab – doch genau dieser Sturz auf die ausgestreckte Hand kann fatale Folgen für das Handgelenk haben. Der Kahnbeinbruch, medizinisch Skaphoidfraktur, ist der häufigste Bruch der Handwurzelknochen und wird leider oft als einfache Verstauchung fehlinterpretiert. Da das Kahnbein eine schlechte Durchblutung besitzt, ist eine präzise Diagnostik und Behandlung entscheidend, um Spätfolgen wie eine Pseudarthrose (Falschgelenkbildung) zu vermeiden. Ob eine konservative Therapie mit Gips ausreicht oder der Bruch operativ mit einer Schraube versorgt werden muss, hängt von der Art der Fraktur ab.

ICD-Codes für diese Krankheit: S62.0

Kurzübersicht:

Der Kahnbeinbruch ist eine Fraktur des Os scaphoideum, einem der acht Handwurzelknochen, der eine zentrale Rolle für die Beweglichkeit des Handgelenkes spielt. Ursache ist meist ein Sturz auf die ausgestreckte Hand, bei dem ungewöhnlich hohe Kräfte auf das Kahnbein wirken. Typische Symptome sind Schmerzen und eine Schwellung in der Tabatiere (Grübchen am Daumenansatz) sowie Druckschmerz. Die Diagnose erfolgt mittels Röntgenaufnahme, oft ergänzt durch eine Computertomographie (CT), da feine Haarrisse im Röntgenbild oft schwer zu erkennen sind. Die Therapie richtet sich nach der Stabilität: Unverschobene Brüche können konservativ im Gips für bis zu 12 Wochen ruhiggestellt werden. Verschobene oder instabile Brüche müssen operativ durch eine Verschraubung stabilisiert werden, um die Ausheilung zu sichern.

Artikelübersicht

Das Kahnbein der Handwurzel

Die Hand besteht aus mehreren unterschiedlich geformten Knochen. Der Kahnbeinknochen zählt zu den acht Handwurzelknochen und ist Teil des Handgelenks. Mit seinem Unterrand stellt das Kahnbein die Gelenkfläche in Richtung Speiche her.

Der menschliche Körper besitzt streng genommen zwei unterschiedliche Kahnbeine:

  • das Os scaphoideum an der Handwurzel und
  • das Os naviculare an der Fußwurzel.

Allerdings zeigt sich die Verletzung deutlich häufiger an der Hand, sodass sie mit dem Begriff Kahnbeinbruch gleichgesetzt wird. Mediziner sprechen auch von einer Skaphoidfraktur.

 

Anatomie Handgelenk
Anatomie der linken Hand, auf dem das Kahnbein zu sehen ist © bilderzwerg / Fotolia

Beim Kahnbeinbruch handelt es sich um die häufigste Bruchverletzung der Handwurzel. Rund 75 % aller Handwurzelbrüche betreffen das Kahnbein.

Besonders häufig sind Sportler zwischen 20 und 30 Jahren von Kahnbeinbrüchen betroffen. Etwa 90% davon sind Männer.

Ursachen für eine Kahnbeinfraktur

Verursacht wird ein Bruch des Kahnbeins an der Hand durch starke und direkte Krafteinwirkung.

Beim Sturz strecken Menschen reflexartig ihre Arme nach vorne, um nicht auf das Gesicht zu fallen. Durch die Kraftübertragung des Unterarms beim Aufprall kommt es oftmals zu einem Bruch des Kahnbeins oder der Speiche.

An welcher Stelle das Kahnbein bricht, richtet sich nach

  • dem Ausmaß der Überstreckung sowie
  • den Bewegungen der Hand während des Aufpralls.

Besonders häufig treten Kahnbeinbrüche bei sportlichen Aktivitäten auf. Als typische Risikosportarten gelten Inline-Skating oder Snowboarden, weil diese häufig mit Stürzen verbunden sind.


Schmerzen Handgelenk

© yodiyim / Fotolia

Welche Symptome treten auf?

Das typische Symptom eines Kahnbeinbruchs sind Schmerzen an der Hand. Diese machen sich vor allem an der Hinterseite der Hand sowie an der Daumenseite bemerkbar. Außerdem schwillt das Handgelenk an und tut besonders bei Bewegungen weh. Oft nimmt die betroffene Person deswegen eine Schonhaltung an.

Des Weiteren besteht eine erhöhte Druckempfindlichkeit an der Rückseite der Hand, am Handgelenksspalt. Hier verlaufen die beiden Sehnen, die für das Abspreizen des Daumens zuständig sind. Wird an dieser Stelle ein Druckschmerz beschrieben, ist dies in der Regel ein deutliches Anzeichen für eine Kahnbeinfraktur. Das gilt selbst dann, wenn der Bruch auf der Röntgenaufnahme nicht eindeutig zu erkennen ist.

Die meisten Patienten halten die betroffene Hand meist dicht am Körper, damit sie keinen Erschütterungen ausgesetzt ist. Der Patient kann nur schwer greifen und leidet dabei unter erheblichen Schmerzen.

Eine Kahnbeinfraktur hat so oft erhebliche Auswirkungen auf das Alltagsleben.

Wie wird ein Kahnbeinbruch diagnostiziert?

Um die Kahnbeinfraktur festzustellen, erfolgt zunächst eine körperliche Untersuchung der betroffenen Hand. Der Arzt lässt sich genau zeigen, an welcher Stelle die Schmerzen auftreten. Er beobachtet auch, ob der Patient eine Schonhaltung der Hand einnimmt.

Zu den Untersuchungsoptionen gehört der Watson-Shift-Test. Bei diesem Verfahren wird die Hand des Patienten zum Daumen hin bewegt. Liegt ein Bruch des Kahnbeins vor, ist ein kleines Klicken oberhalb des Knochens zu spüren, auf den ein stechender Schmerz im Handgelenk folgt.

Wichtig für das Stellen einer Diagnose sind bildgebende Verfahren, wie beispielsweise das Röntgen. Allerdings lässt sich nicht in jedem Fall eine Kahnbeinfraktur auf einer Röntgenaufnahme erkennen. Oft werden frische Brüche im Röntgenbild sogar übersehen.

Bleibt die Diagnose nach dem Röntgen unklar, führt der Arzt eine Computertomographie (CT) durch. Eine CT erstellt feine Schichtaufnahmen des Handgelenks. Damit lässt sich die Bruchlinie meist erkennen.

Wie wird eine Kahnbeinfraktur behandelt?

Behandelt wird der Kahnbeinbruch entweder konservativ oder operativ. Welche Therapieform letztlich infrage kommt, ist individuell unterschiedlich. Die Therapie ist davon abhängig, an welcher Stelle der Hand sich die Verletzung zeigt.

Die konservative Therapie dauert meistens länger. Dagegen bestehen bei einem chirurgischen Eingriff bestimmte Risiken.

Konservative Therapie: Geduld und Ruhe

Voraussetzung für den Erfolg einer konservativen Therapie ist, dass sich die Bruchfragmente des Kahnbeins nicht verschoben haben.

Die Behandlung der Fraktur besteht dann im Wesentlichen in der Ruhigstellung der betroffenen Hand. Sie erhält einen Gips oder Verband aus Kunststoff.

Nach rund zwei bis drei Wochen fertigt der Arzt erneut Röntgenaufnahmen an, um den Verlauf der Heilung zu überprüfen.

Der Kahnbeinbruch braucht jedoch eine gewisse Zeit, um abzuheilen. Der Patient muss damit rechnen, seine Hand zwei bis drei Monate ruhigstellen zu müssen.

An die Behandlung sollte sich nach Ablauf der Zeit eine Physiotherapie anschließen.

Operation

Ein chirurgischer Eingriff gilt als notwendig, wenn

  • getrennte Bruchfragmente vorliegen oder
  • sich die Kahnbeinfraktur in unmittelbarer Nähe der Unterarmgelenkfläche befindet.

Grund dafür sind die schlechten Heilungsaussichten bei diesen beiden Bruchvarianten.

Während der OP verbindet der Chirurg die beiden Bruchfragmente durch Schrauben (Herbert- und Boldschrauben) wieder miteinander.

Kahnbeinfraktur OP mit Schraube

Operation einer Kahnbeinfraktur (links) mit Herbertschrauben (rechts) © Hellerhoff | Wikimedia

Dieser Eingriff kann unter Umständen minimal-invasiv durchgeführt werden. Das hat den Vorteil einer deutlich kürzeren Nachbehandlungszeit.

Nach der Operation

Im Anschluss an den operativen Eingriff erhält die Hand für rund vier Wochen einen Gips.

Prinzipiell verläuft die Heilung nach einer Operation schneller als bei der konservativen Therapie. Bei den meisten Patienten verbleibt die Schraube für das restliche Leben im Handgelenk.

Heilungsdauer und Prognose

Wie lange es letztlich dauert, bis der Kahnbeinbruch an der Hand verheilt ist, hängt davon ab, an welcher Stelle die Fraktur erfolgte. Eine wichtige Rolle spielt außerdem das Lebensalter. Je jünger der Patient ist, desto schneller schreitet die Heilung voran.

Eine generelle Prognose für die Heilungsdauer lässt sich jedoch aufgrund der zahlreichen ausschlaggebenden Einzelfaktoren nicht treffen.

Ist der Bruchverlauf unkompliziert und der Patient jung, fällt die Prognose der Kahnbeinfraktur meist günstig aus. In manchen Fällen besteht allerdings das Risiko einer Pseudarthrose, bei der der Knochenbruch nur unvollständig verheilt.

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zum Kahnbeinbruch

Woran erkenne ich einen Kahnbeinbruch?

Ein Verdacht auf einen Kahnbeinbruch besteht, wenn nach einem Sturz Schmerzen im Handgelenk auftreten, besonders im Bereich des Daumens (Tabatiere). Oft ist eine leichte Schwellung am Handgelenk sichtbar, und Bewegungen wie das Greifen oder Abstützen sind schmerzhaft. Da die Symptome oft mild sind, wird der Bruch des Kahnbeins häufig erst spät erkannt. Ein Druckschmerz in der "Schnupftabakgrube" ist ein klassisches Warnsignal.

Wie wird ein Kahnbeinbruch diagnostiziert?

Die Basis ist die klinische Untersuchung der betroffenen Hand und eine Röntgenaufnahme des Handgelenks in mehreren Ebenen (Stecher-Aufnahme). Da ein feiner Bruchspalt im frischen Röntgenbild oft nicht sichtbar ist, gilt die Computertomographie (CT) als Goldstandard in der Diagnostik. Bei unklaren Befunden kann auch ein MRT helfen, Knochenödeme sichtbar zu machen.

Wann muss ein Kahnbeinbruch operiert werden?

Eine Operation ist notwendig, wenn der Bruch instabil oder verschoben (disloziert) ist. Auch Brüche im körpernahen Drittel des Kahnbeins (proximaler Pol) heilen wegen der schlechten Durchblutung oft schlecht und werden daher meist operativ versorgt. Bei jungen, aktiven Patienten zwischen 20 und 30 Jahren wird oft operiert, um die lange Ruhigstellungszeit im Gips zu verkürzen.

Wie läuft die Operation ab?

Bei der operativen Versorgung wird über einen kleinen Hautschnitt eine spezielle Schraube (Herbert-Schraube) in den Knochen eingebracht. Diese Verschraubung komprimiert die Bruchstücke und stabilisiert das Kahnbein, sodass es wieder zusammenwachsen kann. Da die Schraube komplett im Knochen versenkt wird, muss sie später meist nicht entfernt werden. Der Eingriff kann oft minimalinvasiv durchgeführt werden.

Wie lange dauert die Heilung?

Die Heilungsdauer beim Kahnbeinbruch ist langwierig. Bei konservativer Behandlung muss das Handgelenk oft für 8 bis 12 Wochen im Gips ruhiggestellt werden. Wird der Kahnbeinbruch operiert, ist meist eine kürzere Ruhigstellung von wenigen Wochen nötig, gefolgt von Physiotherapie. Bis zur vollständigen Ausheilung und Sportfähigkeit können jedoch mehrere Monate vergehen.

Was passiert, wenn der Bruch nicht heilt?

Wird ein Kahnbeinbruch übersehen oder heilt er nicht zusammen, bildet sich eine Pseudarthrose (Falschgelenk). Dies führt zu chronischen Schmerzen, Bewegungseinschränkung und langfristig zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß (Kahnbein-Pseudarthrose). In solchen Fällen kann ein aufwendigerer Eingriff mit Knochentransplantation aus dem Beckenkamm nötig werden.

Warum heilt das Kahnbein so schlecht?

Das Kahnbein wird nur über ein kleines Gefäßsystem von körperfern nach körpernah mit Blut versorgt. Bei einem Bruch, besonders im proximalen Drittel, kann die Blutversorgung des Bruchstücks unterbrochen werden. Dies führt zu einer verzögerten Knochenbruchheilung oder sogar zum Absterben des Knochenfragments (Nekrose).

Ist Gips oder OP besser?

Das hängt von der Art der Fraktur ab. Stabile Brüche im mittleren Drittel heilen oft gut unter konservativer Therapie. Instabile Brüche, verschobene Fragmente oder Brüche am proximalen Pol haben ohne Operation eine schlechte Prognose. Die Entscheidung wird individuell nach Auswertung der CT-Bilder getroffen, um das Kahnbein optimal zu stabilisieren.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie
  • S3-Leitlinie Skaphoidfraktur; AWMF-Leitlinien-Register Nr. 012-016
  • flexikon.doccheck.com/de/Kahnbeinbruch