Unter einer Rückenmarksverletzung verstehen Mediziner eine Verletzung des Rückenmarks oder seiner unmittelbaren Umgebung. Anders als Wirbelsäulenverletzungen, wie beispielsweise ein Wirbelbruch, sind Rückenmarksverletzungen je nach Schweregrad oft irreversibel und führen zu Lähmungserscheinungen.

Das Rückenmark ist die Nachrichtenvermittlung zwischen Gehirn und anderen Körperorganen @ bilderzwerg /AdobeStock
Je nach Schwere und Ausmaß der Rückenmarksverletzung werden drei Stadien unterschieden:
- Die Rückenmarkserschütterung (Commotio spinalis)
- Die Rückenmarksprellung (Contusio spinalis)
- Die Rückenmarksquetschung (Compressio spinalis)
- Die Rückenmarkserschütterung
Die Rückenmarkserschütterung ist die „einfachste" Form der Rückenmarksverletzung. Infolge einer Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule und das Rückenmark kommt es zu einer vorübergehenden (reversiblen) Funktionsstörung der Nervenleitung.
Charakteristisch für die Rückenmarkserschütterung ist, dass es zu Funktionsausfällen kommt, ohne dass sich Veränderungen in der Bildgebung finden lassen. Die genaue Art der Funktionsstörungen ergibt sich aus der Schwere und der Lokalisation der Rückenmarksverletzung.
Für die Dauer von maximal 48 Stunden kann es zu folgenden Störungen kommen:
Alle jedoch ohne Lähmungserscheinungen.
Die Rückenmarksprellung ist im Gegensatz zur vorgenannten Rückenmarkserschütterung eine nicht umkehrbare (nicht reversible) Rückenmarksverletzung. Die Art der Gewalteinwirkung ist hier stärker und direkter als bei der Rückenmarkserschütterung.
Dies führt zu einer Quetschung oder Prellung des Rückenmarks. Daher auch der Name „Rückenmarksprellung". Daneben kann es zusätzlich auch zu Blutungen oder zur Ödembildung kommen. Je nach der Schwere reichen die Symptome von leichten motorischen und sensiblen Nervenausfällen bis zur teilweisen oder vollständigen Querschnittlähmung.
- Die Rückenmarksquetschung
Die Rückenmarksquetschung ist die schwerste Form der Rückenmarksverletzung. Sie tritt in der Regel nach direktem Druck auf das Rückenmark auf. Ein solcher Druck entsteht beispielsweise nach einem Unfall, oder aber durch Wirbelkörperfragmente, Hämatome (Einblutungen), Bandscheibenvorfälle oder auch Tumoren.
Akut auftretende Rückenmarksquetschungen führen häufig zu:
- Ausfallerscheinungen
- Neurologischen Ausfällen sowie
- Kontinenzstörungen
Dahingegen treten bei subakutem oder chronischem Verlauf vor allem Rückenschmerzen auf. Eine klopfempfindliche Wirbelsäule deutet zudem auf Tumoren oder Hämatome im Bereich des Rückenmarkes hin.
Die Verdachtsdiagnose Rückenmarksverletzung treffen Ärzte anhand der Symptomatik.
In der Regel treten folgende Symptome auf:
- Empfindungsstörungen
- Nervenausfälle
- Schmerzen sowie
- Lähmungserscheinungen
Diese werden häufig in einer neurologischen Untersuchung festgestellt. Zur Sicherung der Diagnose führt der Arzt in der Regel eine Magnetresonanztomografie (MRT) durch. Damit lassen sich auch Weichgewebe wie Nerven und das Rückenmark im Schnittbild darstellen. Zum Ausschluss von Frakturen nach einem Unfall kann zudem ein Röntgenbild vonnöten sein.
Um andere Ursachen für die Nervenausfälle, wie Infektionen oder eine Meningitis, auszuschließen, kann eine Lumbalpunktion sinnvoll sein. Dabei entnehmen Ärzte Spinalflüssigkeit (Rückenmarksflüssigkeit oder Liquor) zur labortechnischen Untersuchung.

Röntgenbild des Rückenmarks @ Anastasiia /AdobeStock
Verletzung vom Rückenmark - Vollständige Therapieoptionen und Prognose bei Schäden am Rückenmark und der Wirbelsäule
Die Möglichkeiten der Behandlung einer Rückenmarksverletzung richten sich vornehmlich nach deren Schweregrad. Die Rückenmarkserschütterung beispielsweise benötigt in erster Linie viel Ruhe und körperliche Schonung.
Dahingegen sind die Auswirkungen einer Rückenmarksprellung nicht in jedem Fall umkehrbar. Ärzte behandeln lediglich Begleiterscheinungen, wie Ödeme, Zysten, Wirbelbrüche oder Bandscheibenvorfälle konservativ oder operativ. Das Ziel ist, den Druck auf die Spinalnerven zu verringern.
Wenn die Kompression nicht zu lange war, können sich die Nervenbahnen regenerieren und die Empfindungen sowie die Beweglichkeit zurückkommen.
Dahingegen sind Teillähmungen – oder auch die vollständige Querschnittlähmung – mit heutigen Mitteln nicht heilbar. Verschiedene Hilfsmittel, physiotherapeutische Maßnahmen und Trainingsprogramme ermöglichen es Betroffenen jedoch, ein relativ selbstbestimmtes Leben führen zu können.
Die Prognose ist eng mit der Art der Rückenmarksverletzung verknüpft. So hat beispielsweise die Rückenmarkserschütterung eine gute Prognose. Die Schäden sind durch Schonung innerhalb einiger Tage bis Wochen reversibel.
Auf der anderen Seite hat die Rückenmarksquetschung eher eine ungünstige Prognose. Diese Erkrankung führt zu unumkehrbaren Verletzungen des Rückenmarkes, die mit heutigen medizinischen Mitteln nicht heilbar sind. Patienten sind häufig auf Hilfe angewiesen und müssen je nach Ausmaß der Lähmungserscheinungen auch einen Rollstuhl nutzen. Dadurch verschlechtert sich der Gesundheitszustand oft weiter, da Muskelgruppen nicht mehr ausreichend gefordert sind und sich zurückbilden. Hinzu kommen psychische Problem, wie Depressionen, oder auch Schwierigkeiten im sozialen Bereich sowie im Freundeskreis.
Durch geeignete physiotherapeutische Maßnahmen und wenn Betroffene sich mit ihrer Situation arrangieren, verbessert sich die Lebenssituation und die Lebensqualität. Ein zufriedenes Leben mit der Erkrankung ist möglich.
Das Leben trotz der Einschränkungen optimistisch zu sehen, erhöht die Lebensqualität trotz Querschnittlähmung, so zeigen Studien.
Da Rückenmarksverletzungen sehr häufig im Zusammenhang mit Unfällen auftreten, sind Notfallmediziner die ersten Experten vor Ort.
Darüber hinaus können je nach Art und Schwere der neurologischen Ausfälle folgender Fachärzte beteilgt sein:
Eine Rückenmarksverletzung stellt akut eine schwere Beeinträchtigung dar, da das Rückenmark als Teil des zentralen Nervensystems die Signale zwischen Gehirn und Körper überträgt, und weltweit erleiden rund 500.000 Menschen eine Rückenmarksverletzung, häufig durch Autounfälle, Stürze oder Gewalttat.
Je nach Schweregrad, Höhe der Läsion etwa bei Th6 oder an der Halswirbelsäule, sowie durch Kompression des Rückenmarks oder Schädigung des Wirbelkanals kann es zu Querschnitt, Lähmung, Verlust der motorischen Funktion, eingeschränkter Kontrolle von Rumpf und Beinen, Blasen- und Darmfunktion sowie Sexualfunktion kommen, wobei inkomplette und inkompletten Verletzungen oft noch Restfunktionen zeigen.
In der Akutphase erfolgt in der Regel eine Ruhigstellung, gegebenenfalls operative Maßnahmen, um die Wirbelsäule zu stabilisieren und weitere Schäden am Rückenmark oder an den Wirbeln zu verhindern, da unbehandelte Kompression, auch bei nicht-traumatische Ursachen oder Osteoporose, den Funktionsverlust verstärken kann.
Die Pathophysiologie unterscheidet traumatische Rückenmarksverletzungen von nicht-traumatischen Formen, wobei je nach Schweregrad, Lokalisation unterhalb der Verletzung und Ausmaß der neurologischen Beeinträchtigung Prognose, Gehfähigkeit und Muskelfunktionen sehr unterschiedlich ausfallen können.
In der Frühphase sind Physiotherapie, physio-therapeutische Maßnahmen, psychologische Unterstützung sowie Beratung und Unterstützung durch Sozialarbeitern und Ernährungsberatern essenziell, oft verbunden mit der Regel eine Überweisung in eine Rehaklinik, um Mobilität, Rumpfkontrolle und motorischen und sensorischen Funktionen unterhalb bestmöglich zu fördern.
Die Genesung hängt von vielen Faktoren ab, ist teilweise reversibel, insbesondere bei inkomplettem Schaden, doch weitere Schäden, eingeschränkte Kontrolle im häuslichen Umfeld, Auswirkungen auf Freizeitaktivitäten usw. und langfristige Prognose erfordern eine individuelle, interdisziplinäre Behandlung über Stunden bis Tagen hinaus.
Was ist eine Rückenmarksverletzung?
Eine Rückenmarksverletzung ist eine Verletzung des Rückenmarks, die zu einer Schädigung motorischer und sensorischer Funktionen unterhalb der Verletzung führt. Sie kann traumatisch oder nicht-traumatisch entstehen und betrifft häufig die Wirbelsäule.
Welche Symptome treten bei Rückenmarksverletzungen auf?
Typische Symptome sind Lähmung, Sensibilitätsstörungen, Verlust der motorischen Funktion sowie Störungen von Blasen- und Darmfunktion. Je nach Höhe und Schweregrad der Rückenmarksverletzung können auch Atemmuskulatur und Rumpf betroffen sein.
Was bedeutet vollständig oder inkomplett?
Bei einer vollständigen Rückenmarksverletzung sind alle motorischen und sensorischen Funktionen unterhalb der Verletzung aufgehoben. Eine inkomplette Verletzung bedeutet, dass Restfunktionen erhalten bleiben, was die Prognose verbessert.
Wie wird eine Rückenmarksverletzung behandelt?
Die Behandlung erfolgt zunächst in der Akutphase mit Stabilisierung der Wirbelsäule, Bildgebung wie MRT und ggf. operativer Dekompression. Anschließend folgt eine intensive Rehabilitation mit Physiotherapie zur Wiederherstellung von Mobilität und Alltagsfunktionen.
Wie sind Prognose und Rehabilitation?
Die Prognose hängt vom Schweregrad, der Höhe der Verletzung und der frühen Versorgung ab. Rehabilitation, physiotherapeutische Maßnahmen und interdisziplinäre Betreuung sind entscheidend, um motorische Funktionen zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen.