Schenkelhalsfraktur (Schenkelhalsbruch): Osteosynthese, Endoprothese und Fraktur am Femur

19.01.2026
Prof. Dr. med Rüdiger Smektala
Medizinischer Fachautor

Ein Sturz auf die Hüfte ist für junge Menschen meist harmlos, doch bei älteren Patienten führt er häufig zu einer Schenkelhalsfraktur. Dieser Knochenbruch am oberen Ende des Oberschenkelknochens, fachsprachlich Femur genannt, ist eine der häufigsten Verletzungen im Alter. Begünstigt durch Osteoporose, reicht oft schon eine geringe Krafteinwirkung aus, damit der Schenkelhals bricht. Eine solche Femurfraktur bedeutet für die Betroffenen meist sofortige Immobilität und starke Schmerzen. Da die Blutversorgung des Hüftkopfes gefährdet sein kann und langes Liegen Risiken wie Thrombose oder Lungenentzündung birgt, ist fast immer eine rasche Operation erforderlich. Ob das Gelenk erhalten werden kann oder ersetzt werden muss, hängt von der genauen Lokalisation und der Durchblutungssituation ab.

ICD-Codes für diese Krankheit: S72.0

Kurzübersicht:

Eine Schenkelhalsfraktur ist ein Bruch des Oberschenkelhalses, der den Schaft des Oberschenkelknochens mit dem Hüftkopf verbindet. Die Fraktur entsteht meist durch häusliche Stürze auf die Seite, wobei Osteoporose als Risikofaktor eine zentrale Rolle spielt, da die Kortikalis des Knochens im Alter dünner wird. Klinisch zeigt sich das betroffene Bein oft verkürzt und nach außen verdreht, begleitet von Schmerzen in der Leiste. Die Diagnose einer Schenkelhalsfraktur erfolgt durch ein Röntgenbild, das auch die Einteilung in eine mediale Schenkelhalsfraktur oder eine laterale Schenkelhalsfraktur ermöglicht. Diese Unterscheidung ist entscheidend für das Behandlungskonzept, da mediale Frakturen innerhalb der Gelenkkapsel liegen und die Arteria circumflexa femoris medialis verletzen können, was das Risiko einer Femurkopfnekrose erhöht. Die Therapie der Schenkelhalsfraktur ist fast immer operativ und sollte innerhalb von 24 Stunden erfolgen, um Komplikationen zu vermeiden. Je nach Alter und Frakturtyp erfolgt die Versorgung mittels hüftkopferhaltender Osteosynthese (Schrauben, Nägel) oder durch den Ersatz des Gelenks mit einer Endoprothese (Hüft-TEP oder Duokopfprothese), um eine frühzeitige Mobilisation unter Vollbelastung zu gewährleisten.

Artikelübersicht

Wie häufig kommt ein Oberschenkelhalsbruch vor?

Fast 100.000 Menschen erlitten im Jahr 2007 einen Oberschenkelhalsbruch. Die meisten mussten deswegen operiert werden.

Mehr als 45 Prozent dieser Patienten waren älter als 80 Jahre, die Mehrzahl waren Frauen. Das zeigt deutlich, dass ein Oberschenkelhalsbruch eine typische Verletzung des älteren Menschen, insbesondere der älteren Frau, ist.

Vor 50 Jahren führte ein Oberschenkelhalsbruch bei einem älteren Menschen fast immer zu Bettlägerigkeit und bald darauf zum Tod. Mittlerweile haben sich die Verhältnisse zugunsten der Patienten verändert. Heute stehen Operationsmethoden zur Verfügung, mit denen sich eine Bettlägerigkeit meistens verhindern lässt.

Was sind die Ursachen des Oberschenkelhalsbruchs?

Ein Oberschenkelhalsbruch ist meistens die Folge eines Sturzes. Sehr oft sind die Betroffenen an Osteoporose erkrankt, einer Erkrankung, durch die Knochen poröser und damit instabiler werden. Man spricht auch von Knochenschwund.

Osteoporose tritt vor allem im höheren Lebensalter auf, und Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Die Knochen von Menschen mit Osteoporose brechen deutlich schneller als gesunde Knochen. Deswegen reicht oft schon ein leichter Sturz aus, der dann zu einem Oberschenkelhalsbruch führen kann.

Durch welche Symptome äußert sich ein Oberschenkelhalsbruch?

Zu den Symptomen einer Schenkelhalsfraktur zählen Schmerzen im Bereich von Hüfte und Leiste. Betroffene können ihre Hüfte auch nicht mehr belasten.

Das betroffene Bein wirkt kürzer als das andere und ist nach außen gedreht (Außenrotationsfehlstellung).

Die operative Therapie eines Oberschenkelhalsbruchs

Nach dem Sturz und der Diagnose eines Oberschenkelhalsbruchs sollte sich der Patient schnell einer Operation unterziehen.

Die meisten Patienten erhalten dann ein künstliches Hüftgelenk, eine Hüft-Endoprothese. Diese Hüftprothese erlaubt es ihnen, unmittelbar nach der Operation das Bett zu verlassen und das zuvor verletzte Bein wieder voll zu belasten. Zunächst benötigt der Patient dafür Gehstützen.

Der Krankenhausaufenthalt ist meistens kurz, die Patienten verbringen ca. 2 Wochen im Krankenhaus. Danach erfolgt eine krankengymnastische Behandlung.

Oberschenkelhalsbruch
Ein Oberschenkelhalsbruch betrifft vor allem ältere Frauen © Henrie | AdobeStock

Nach der Operation einer Schenkelhalsfraktur

Die Patienten absolvieren nach einer Operation am Hüftgelenk häufig eine Rehabilitation. Deshalb arbeiten Unfallchirurgen und Altersmediziner in der Betreuung der älteren Menschen eng zusammen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, die Rückkehr in ein selbstständig geführtes Leben zu ermöglichen. Die Patienten sollen schnellstmöglich in die gewohnte Umgebung der eigenen Wohnung zurückkehren.

So endet der stationäre Aufenthalt nach einem Schenkelhalsbruch oft in einem sanften Übergang aus dem Krankenhaus z. B. in einer geriatrischen Tagesklinik. Dort kann ein langsamer Übergang in den gewohnten Alltag gestaltet werden.

Auch wenn medizinisch keinerlei Komplikationen auftreten, versterben immer noch 20 Prozent der Patienten im ersten Jahr nach der Schenkelhalsfraktur. Die Gründe für diese Tatsache sind noch nicht geklärt. Das Phänomen wird nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Mittel- und Westeuropa sowie in Nordamerika beobachtet.

Zu dieser Frage wird intensiv durch Ärzte und Krankenkassen geforscht.

Erkenntnisse zum Oberschenkelhalsbruch

Heute ist der Oberschenkelhalsbruch nach wie vor eine ernstzunehmende Verletzung. Die unfallchirurgischen und altersmedizinischen Probleme, die sie mit sich führt, sind aber beherrschbar. 

Es sterben kaum noch Menschen im Krankenhaus an den Folgen des Schenkelhalsbruches. Komplikationen treten nach der OP auch nur selten auf.

Die Vorbeugung der Oberschenkelhalsfraktur

Wenn Osteoporose frühzeitig erkannt wird, kann man einer Verschlechterung mit

  • Gymnastik,
  • altersangepasstem Sport und
  • einer Medikation

entgegenwirken. In vielen Fällen wird die Osteoporose jedoch erst diagnostiziert, wenn ein Schenkelhalsbruch oder andere Frakturen bereits aufgetreten sind.

Eine erstmals auftretende Sturzneigung durch Schwindel muss ebenfalls sofort durch den Hausarzt abgeklärt werden. So besteht die Chance, die Sturzhäufigkeit, falls möglich, zu vermindern.

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zur Schenkelhalsfraktur

Woran erkennt man eine Schenkelhalsfraktur?

Typische Symptome sind starke Schmerzen in der Leiste und im Hüftbereich, die jede Bewegung unmöglich machen. Das betroffene Bein ist oft sichtbar verkürzt und liegt in einer Außenrotationsstellung, da die Muskulatur durch die Fraktur den Oberschenkel nach oben zieht und dreht. Ein Belasten oder Anheben des Beins ist nicht mehr möglich. Bei eingestauchten Brüchen können die Symptome jedoch milder sein, sodass manche Patienten noch gehen können, was die Diagnose einer Schenkelhalsfraktur ohne Röntgenbild erschwert.

Was ist der Unterschied zwischen medialer und lateraler Fraktur?

Die Einteilung erfolgt nach der Lokalisation des Bruchs in Bezug auf den Ansatz der Gelenkkapsel. Die mediale Schenkelhalsfraktur liegt innerhalb der Gelenkkapsel (intrakapsulär) und ist die häufigste Form. Da hier die gefäßführenden Schichten verlaufen, ist die Blutversorgung des Hüftkopfes oft gestört, was eine Hüftkopfnekrose begünstigen kann. Eine laterale Schenkelhalsfraktur liegt weiter außen, meist außerhalb der Gelenkkapsel (extrakapsulär), und hat eine bessere Prognose bezüglich der Durchblutung, neigt aber eher zu Arthrose durch Fehlstellung.

Wie wird eine Schenkelhalsfraktur behandelt?

Die Therapie der Schenkelhalsfraktur ist in der Regel operativ. Ziel ist eine übungsstabile Versorgung, die eine sofortige Mobilisation erlaubt. Bei jüngeren Patienten wird versucht, den Hüftkopf zu erhalten, indem der Bruch mittels Osteosynthese (Verschraubung oder dynamische Hüftschraube) stabilisiert wird. Bei alten Menschen, bei denen die Knochenqualität schlecht ist oder das Risiko einer Femurkopfnekrose hoch ist, wird meist eine Endoprothese implantiert, die den Hüftkopf und gegebenenfalls die Pfanne ersetzt.

Warum muss so schnell operiert werden?

Leitlinien und Studien, wie sie auch im Deutschen Ärzteblatt diskutiert werden, empfehlen eine operative Behandlung innerhalb von 24 Stunden nach dem Unfall. Eine schnelle Versorgung senkt die Komplikationsrate drastisch, da langes Liegen bei älteren Patienten schnell zu Dekubitus, Lungenentzündung oder Thrombose führt. Zudem steigt bei einer medialen Fraktur mit jeder Stunde das Risiko, dass der Hüftkopf abstirbt, wenn die Reposition und Fixation nicht zeitnah erfolgen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Neben allgemeinen OP-Risiken ist die Femurkopfnekrose eine spezifische Komplikation der Schenkelhalsfraktur, bei der das Knochengewebe des Hüftkopfes aufgrund mangelnder Durchblutung abstirbt. Auch eine Pseudarthrose, also das Nicht-Zusammenwachsen des Knochens, kann nach einer Osteosynthese auftreten. Bei dislozierten Brüchen, also wenn sich die Knochenenden verschoben haben, ist zudem die Gefahr einer Arthrose oder einer erneuten Dislokation gegeben, was eine Zweitoperation erforderlich machen kann.

Wie sieht die Nachbehandlung aus?

Die Rehabilitation beginnt bereits am ersten Tag postoperativ. Physiotherapeutische Übungen zielen auf eine schnelle Mobilisation ab, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit im Hüftgelenk zurückzugewinnen. Bei einer Versorgung mit einer Prothese ist meist sofort eine Vollbelastung erlaubt, was für den Erhalt der Selbstständigkeit essenziell ist. Röntgenkontrollen werden durchgeführt, um den Sitz der Implantate zu überprüfen und sicherzustellen, dass keine Sinterung (Absacken) des Schenkelhalses auftritt.

Was bedeutet Adduktionsfraktur?

Dies bezieht sich auf die Klassifikation nach Pauwels, die den Winkel des Bruchs beschreibt. Eine Adduktionsfraktur (Pauwels III) hat einen steilen Bruchverlauf, was zu hohen Scherkräften führt. Diese Brüche sind instabil und heilen konservativ schlecht, weshalb sie fast immer chirurgisch mittels Osteosynthese oder Prothese versorgt werden müssen, um eine Varusstellung des Schenkelhalses und eine Pseudarthrose zu verhindern.

Wie hoch ist die Lebenserwartung nach einem Schenkelhalsbruch?

Statistiken zeigen leider, dass die Sterblichkeit im ersten Jahr nach dem Unfall erhöht ist. Etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten mit einer Femurfraktur versterben innerhalb eines Jahres, oft nicht direkt an der Fraktur, sondern an den Folgen der Immobilität und Begleiterkrankungen. Ein ganzheitliches Behandlungskonzept aus Chirurgie, Geriatrie und frühzeitiger Rehabilitation ist entscheidend, um die Lebensqualität zu erhalten und weiteren Schenkelhalsfrakturen vorzubeugen.