Talus ist der medizinische Ausdruck für das Sprungbein. Der Talus besteht aus Taluskopf, -hals und -körper und ist über die Gelenkflächen mit Schienbein (Tibia) und Fersenbein (Calcaneus) verbunden. Diese Gelenke bilden zusammen das obere und untere Sprunggelenk (OSG / USG). Beim Sprungbein handelt es sich um einen Fußwurzelknochen. Die Fußwurzel verbindet über das Sprunggelenk den Unterschenkel mit dem Fuß und den Zehen. Der Talus spielt hier eine entscheidende Rolle und ist für die Fußstatik entscheidend. Durch seine zentrale Lage im Sprunggelenk übernimmt der Talus die Kraft des Körpergewichtes und überträgt sie auf den Fuß. Beim Gehen, Laufen und Springen wirken deutlich stärkere Kräfte auf den Fuß ein. Diese Belastung hält der Knochen nur aus, weil er im Vergleich zu anderen dichter und stabiler ist.

Das Sprungbein (Talus) im Verbund mit den Fußknochen. © bilderzwerg / Fotolia
So wird verständlich, dass Talusfrakturen (ICD-Code: S92.1) erhebliche Auswirkungen haben können. Im Vergleich zu anderen Fußfrakturen, zum Beispiel Mittelfuß- oder Zehenfrakturen, bei denen durchaus noch gelaufen werden kann, ist dies bei Talusfrakturen definitiv nicht mehr möglich. Je nach Klassifikation unterscheidet man verschiedene Frakturtypen, etwa Typ I bis Typ IV Fraktur nach Hawkins, die sich in ihrer Schwere und Prognose deutlich unterscheiden. Dies liegt einfach an der zentralen Position des Talus im Fuß und der Hauptbelastung, die auf ihm lastet. Kein anderer Fußwurzelknochen ist so belastet wie der Talus.
Nicht alle Bereiche des Talus sind gleich häufig von Knochenbrüchen betroffen. Die meisten Sprungbeinfrakturen treten am Hals des Knochens auf. Frakturen des Sprungbeinkörpers sind dagegen selten und entstehen meist durch äußerliche Gewalt, beispielsweise durch Unfälle oder Stürze aus großer Höhe. Typischerweise treten solche Verletzungen bei Stürzen aus großer Höhe oder im Rahmen von Verkehrsunfällen auf, wenn auf den Fuß ausgeprägte Krafteinwirkungen einwirken. Dabei kann es neben der Fraktur auch zu Luxationen im oberen Sprunggelenk kommen. Auch Brüche an den äußeren Anteilen des Talus kommen vor. Sie entstehen fast immer durch Umknicken.
Mit einem Bruch des Talus gehen häufig Begleitverletzungen einher, die, anders als offene Wunden, nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind. Dazu gehören Fußluxationen und -distorsionen (Verrenkung und Verstauchung des Sprunggelenks), ein gebrochener Unterschenkel und Brüche des Mittelfußes oder der Fußwurzel (Fußfrakturen). D.h. eine Fehlstellung am Fuß beziehungsweise Unterschenkel kann der erste Hinweis für eine Talusfraktur sein.
Weitere wichtige Symptome sind die ausgeprägten Schmerzen sowie die Schwellung, welche spür- und sichtbar sind.
Die rasch eintretende Schwellung ist ein typisches Anzeichen für einen Knochenbruch. An der Bruchstelle kommt es außerdem zu Blutergüssen. Neben der Schwellung kann es auch zu einer Durchblutungsstörung des Fußes beziehungsweise zu ausgeprägten Gefühlsstörungen kommen, die stets bei der körperlichen Untersuchung geprüft werden müssen. Neben der klinischen Diagnostik sind Röntgenaufnahmen und bei komplexen Frakturen auch eine Computertomographie (CT) entscheidend, um die genaue Lage des Fragments zu bestimmen und eine eventuelle Knochennekrose frühzeitig zu erkennen. Eine Gelenkinstabilität, also eine nicht mehr gewährleistete Festigkeit des Gelenks mit ungewöhnlicher Beweglichkeit, ist ebenfalls ein starker Hinweis für einen Knochenbruch.
Die Talusfraktur ist mit heftigen Schmerzen verbunden. Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich ein sehr starker Druckschmerz über den mittleren Fuß, über dem Sprunggelenk und insbesondere dem gebrochenen Talus. Schmerzfreies Gehen ist nicht mehr möglich. Manchmal geht der Bruch auch mit einer offenen Verletzung einher, so dass Infektionsgefahr besteht.

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Talusfrakturen führen potentiell zu erheblichen Komplikationen. Besonders gefürchtet ist das Risiko einer avaskulären Nekrose des Talus, also das Absterben von Knochenzellen infolge unzureichender Blutversorgung. Dieses Problem betrifft vor allem den Talushals und kann die Gelenkfunktion dauerhaft einschränken. Auch benachbarte Knochen wie das Fersenbein können gebrochen sein. Bei Frakturen wird die Haut über dem Taluskörper so überdehnt, dass Hautzellen absterben können. Aufschluss über das genaue Krankheitsbild geben nur Röntgenaufnahmen oder die Computertomografie (CT).
Da der Talus eine so zentrale Rolle in der Anatomie des Fußes hat, sind Fehlbehandlungen oder zu frühe Wiederbelastung, durchaus gefährlich und können mit einer dauerhaften Einschränkung der Gehfähigkeit bis hin zum Verlust des Beines führen. Deshalb ist die frühzeitige unfallchirurgische Behandlung und Therapie essenziell.
Einfache, glatte Brüche ohne Splitterungen können konservativ, ohne Operation behandelt werden. Egal, ob mit oder ohne OP, der Fuß und Unterschenkel müssen auf jeden Fall konsequent ruhiggestellt und geschient werden. Je nach Frakturtyp erfolgt die Ruhigstellung mit einem Gipsverband, Unterschenkelgips oder, bei komplexen Brüchen, durch kleine Schrauben zur Stabilisierung des Taluskörpers. Wichtig ist die konsequente Entlastung, um die Blutversorgung des Knochens nicht weiter zu gefährden.
Bis dahin darf nicht aufgetreten werden. So lange die Mobilität eingeschränkt ist, also nicht belastet werden darf, sind Thrombosespritzen unerlässlich. Durch die nicht vorhandene Belastung kann das Blut in den Venen versacken und zu einer Thrombose führen. Dies führt potentiell zu einer weiteren Schwellung, die den Krankheitsprozess noch verschlimmern kann. Außerdem können thrombosebedingte Probleme auftreten, wie zum Beispiel eine Verschleppung von Gerinnseln bis in die Lunge.
Auch aus diesem Grund sollte das Bein für die Dauer der Rückstellung so oft als möglich hochgelegt werden. Hierdurch kommt es nicht nur zu einem Rückgang der Schwellung, sondern auch zu einem geringen Risiko, eine Thrombose zu entwickeln.

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Die Erfahrung zeigt, dass sehr viele Patienten nach Talusfrakturen dauerhafte Probleme haben. Insbesondere die Talusfrakturen, die ohne Operation versorgt werden, führen häufiger zu Problemen, als die operativ durch einen unfallchirurgischen Eingriff stabilisierten. Folglich kann man sagen, dass die wenigsten Talusfrakturen ohne Operation problemlos ausheilen.
Für die operative Ausrichtung des Knochens werden Schrauben und Drähte eingesetzt. Meist ist bereits nach einigen Tagen ist eine Teilbelastung mit 15 kg Maximalgewicht gestattet. Je nach Fraktur ist die Vollbelastung nach 6-8 Wochen möglich. Gehstützen sind ein wichtiges Hilfsmittel, um diese reduzierte Belastung des Sprunggelenks sicherzustellen.
Zur Vorbeugung von Langzeitschäden sollte der Patient schon nach der ersten Woche mit Krankengymnastik beginnen. Diese Nachbehandlung fördert die Beweglichkeit und Wiederherstellung der Motorik und Sensibilität im betroffenen Fuß und Sprunggelenk. Diese gezielte Muskelkräftigung steigert die Mobilität des Knöchels und fördert die Heilung. Außerdem wird es dadurch auch das Risiko, eine Thrombose der Beinvenen zu entwickeln, deutlich reduziert und ab einem gewissen Aktivitätsgrad eine Thrombosespritze nicht mehr notwendig.
Sport ist frühestens nach drei Monaten, besser nach sechs Monaten erlaubt. Da das Sprungbein eine sehr empfindliche Körperstelle ist, sollten Patienten vorsichtig sein und sich genau an die medizinischen und krankengymnastischen Anweisungen des Arztes halten.
Die Prognose hängt vom Frakturtyp, dem Ausmaß des Weichteilschadens und der Art des chirurgischen Eingriffs ab. Nach einer Talusoperation braucht der Patient viel Geduld, denn er darf seinen Fuß frühestens nach sechs Wochen voll belasten.
Eine häufig auftretende Schwierigkeit ist die posttraumatische Arthrose. Hierbei kommt es zu Verschleißerscheinungen des Gelenks, folglich ist sie ist vor allem bei Frakturen mit Gelenkbeteiligung wahrscheinlich. In schweren Fällen kann eine Arthrodese (operative Versteifung des Gelenks) notwendig werden, um Schmerzen zu lindern und die Stabilität des Sprunggelenks zu sichern. Der Erfolg hängt maßgeblich von der Durchblutung, dem Heilungsverlauf und der Heilvorhersage des jeweiligen Frakturtyps ab.
Um Spätfolgen vorzubeugen, ist eine Maßnahme zur Rehabilitation angezeigt. Wie diese aussieht, hängt vom Befund und der zuständigen Krankenkasse ab. Meist werden dreiwöchige Reha-Kuren in spezialisierten Einrichtungen verschrieben. Ob danach wieder schmerzfreies Gehen möglich ist, wird auch vom Mitwirken des Patienten und individuellen Voraussetzungen wie Alter, Sportlichkeit und Gewicht beeinflusst.
Dennoch sind Geduld und Optimismus die besten Voraussetzungen, nach Abheilung einer Talusfrakturen wieder einen unbeschwerten beruflichen, sportlichen und privaten Alltag führen zu können.
1. Wie erkennt man eine Talusfraktur?
Typische Symptome sind starke Schmerzen, Schwellung, Blutergüsse und eine sichtbare Fehlstellung des Fußes. Ein schmerzfreies Gehen ist meist nicht mehr möglich. Zur sicheren Diagnose sind Röntgenbilder oder eine CT-Untersuchung notwendig.
2. Wann ist eine Operation bei einer Talusfraktur nötig?
Eine operative Behandlung ist erforderlich, wenn der Knochen verschoben, gesplittert oder instabil ist. Schrauben oder Drähte stabilisieren den Talus, damit er korrekt zusammenwachsen kann.
3. Wie lange dauert die Heilung nach einer Talusfraktur?
Die Heilungszeit hängt vom Schweregrad der Fraktur ab. Je nach Heilung darf der Fuß nach etwa sechs bis acht Wochen wieder voll belastet werden, Sport ist meist nach drei bis sechs Monaten möglich.
4. Welche Spätfolgen kann eine Talusfraktur haben?
Mögliche Komplikationen sind Durchblutungsstörungen, Fehlstellungen oder eine posttraumatische Arthrose. Eine konsequente Nachsorge und Physiotherapie reduzieren das Risiko langfristiger Beschwerden.