Gonarthrose (Kniearthrose): Symptome und Therapie der Kniegelenksarthrose

23.01.2026
Dr. med. Attila Vásárhelyi
Medizinischer Fachautor

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers und muss täglich enormen Belastungen standhalten. Wenn der schützende Knorpel im Laufe der Jahre verschleißt, sprechen Mediziner von einer Gonarthrose oder Kniearthrose. Diese degenerative Erkrankung des Kniegelenks ist weit verbreitet und führt häufig zu Knieschmerzen und einer Einschränkung der Beweglichkeit. Ob mediale Gonarthrose an der Innenseite oder laterale Gonarthrose an der Außenseite: Der fortschreitende Verlust der Knorpelschicht sorgt dafür, dass Knochen auf Knochen reibt. Eine rechtzeitige Diagnose und eine angepasste Therapie der Gonarthrose sind entscheidend, um die Lebensqualität zu erhalten, Schmerzen zu lindern und eine Operation am Kniegelenk möglichst lange hinauszuzögern.

ICD-Codes für diese Krankheit: M17

Kurzübersicht:

Die Gonarthrose bezeichnet den chronischen, verschleißbedingten Abbau von Knorpelsubstanz im Kniegelenk, wodurch der Gelenkspalt verschmälert wird und die Gelenkflächen schmerzhaft aufeinander reiben. Zu den typischen Symptomen gehören Anlaufschmerzen, eine Schwellung des Knies sowie Bewegungseinschränkungen, die je nach Schweregrad und Stadium der Gonarthrose variieren. Als Risikofaktor gelten neben dem fortgeschrittenen Alter vor allem Übergewicht, Fehlstellungen der Beinachse sowie Verletzungen an Meniskus oder Band. Die Behandlung von Kniearthrose beginnt meist als konservative Therapie mit Physiotherapie, Orthesen und Schmerzmitteln, um die Beschwerden zu lindern und das Gelenk zu entlasten. Ist die Arthrose jedoch weit fortgeschritten und konservative Maßnahmen greifen nicht mehr, wird oft eine operative Therapie bis hin zum künstlichen Kniegelenk notwendig.

Artikelübersicht

Unter Kniearthrose versteht man den Abbau von Knorpelsubstanz im Kniegelenk. Durch den Verschleiß kommt es zu Knieschmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit.

Die Diagnose erfolgt anhand der körperlichen Untersuchung und dem Nachweis der Gelenkveränderungen im Röntgenbild. Neben konservativen Verfahren steht auch die operative Behandlung zur Verfügung.

Einen Überblick über das Kniegelenk und seinen Aufbau mit Knorpel und Bändern zeigt das Video:

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Kniearthrose und ihre Formen

Alle Gelenke des Körpers können von einer Arthrose, also dem Abbau bzw. dem Verschleiß der knorpeligen Gelenkflächen, betroffen sein.

Das Knie ist besonders großen Belastungen ausgesetzt. Deswegen ist es auch häufig von Arthrose betroffen. Kniearthrose wird auch Gonarthrose genannt.

Durch die Reibung des Gelenks wird der Knorpel immer rauer und baut sich allmählich ab. In schweren Fällen können sich Teile aus dem Knochen oder Knorpel herauslösen. Wie Kniearthrose mit den Knorpelschäden entsteht, zeigt das Video:

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Als Folge dieses Abbauprozesses verschmälert sich der Gelenkspalt. Es kommt zu Knieschmerzen und einer Entzündung und Schwellung im Kniegelenk. Dadurch verringert sich die Beweglichkeit des Gelenks.

Je nach Gelenkabschnitt unterscheidet man diese Formen der Gonarthrose:

  • Retropatellararthrose: Verschleiß im Gelenk der Kniescheibe (Femoropatellargelenk).
  • Mediale Gonarthrose: Schädigung des inneren (medialen) Femorotibialgelenks (Verbindung zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein). Bei zusätzlicher O-Bein-Fehlstellung spricht man von einer Varus-Gonarthrose.
  • Laterale Gonarthrose: Schädigung des äußeren oder lateralen Bereich des Femorotibialgelenks. Bei gleichzeitiger X-Bein-Fehlstellung: Valgus-Gonarthrose.

Kniearthrose
Bei Kniearthrose ist der Gelenkknorpel verschlissen © Henrie / Fotolia

Ursachen der Kniearthrose

Bei allen Menschen kommt es mit zunehmendem Alter zu Verschleißerscheinungen im Kniegelenk (primäre Arthrose). Aber nicht nur das Alter gilt als Risikofaktor für die Entstehung einer Kniegelenksarthrose, sondern auch

  • erbliche Faktoren
  • Übergewicht
  • Übermäßige oder einseitige körperliche bzw. sportliche Belastungen
  • Fehlstellungen
  • Verletzungen
  • Entzündungen 

Man spricht von einer sekundären Kniearthrose, wenn die Gonarthrose die Folge

  • einer Verletzung,
  • Erkrankung oder
  • übermäßigen Belastung

ist.

Symptome und Stadien der Kniearthrose

Die typischen Symptome der Gonarthrose sind bei Belastung auftretende Knieschmerzen. Im fortgeschrittenen Stadium wird die Beweglichkeit des Kniegelenks zunehmend eingeschränkt. Es kommt zu einer Schwellung im Knie, der Patient hinkt und nimmt eine Schonhaltung ein.

Je nach Beschwerdebild kann die Kniegelenksarthrose in drei Stadien eingeteilt werden:

  • Stadium 1: Keine Beschwerden. Die Arthrose wird meistens nur durch die Veränderungen im Röntgenbild erkannt.
  • Stadium 2: Anlaufschmerzen, die sich mit zunehmender Bewegung verstärken und in Ruhe bessern.
  • Stadium 3: Dauerhafte Schmerzen, auch in Ruhe. Deutliche Einschränkungen der Bewegung kommen hinzu.

Diagnose der Kniearthrose

Die Diagnose erfolgt nach 

  • ausführlicher Anamnese (Patientenbefragung zu Beschwerden und Auslösern),
  • körperlicher Untersuchung (Beurteilung des Gangbildes, des Bewegungsumfanges, der Beinachse und der Beinlänge) sowie
  • anhand von Funktionsprüfungen (z.B. Bandstabilität),
  • Schmerztests und
  • Röntgenaufnahmen des Kniegelenks.

In manchen Fällen kommen Spezialuntersuchungen wie

zum Einsatz. Eine Arthroskopie des Kniegelenks ist ein wichtiges Instrument zur Diagnose und gleichzeitigen Behandlung der Schäden. Das Video zeigt den Ablauf einer Kniegelenkspiegelung:

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Behandlung der Kniearthrose

Je nach Stadium erfolgt die Therapie entweder konservativ oder operativ.

Die konservative Behandlung der Kniearthrose besteht aus mehreren Behandlungsschritten:

  1. Anpassung des Lebensstils (zum Beispiel das Körpergewicht zu reduzieren, falls nötig, und Fehlbelastungen zu vermeiden)
  2. Physikalische Maßnahmen (z.B. Wärme- oder Kälteanwendungen)
  3. Krankengymnastik
  4. Orthopädietechnische Hilfsmittel
  5. Medikamente zur Schmerzlinderung
  6. ggf. Akupunktur

Operativ lässt sich die gelenkerhaltende, gelenkversteifende oder gelenkersetzende Knie-Operation unterscheiden.

Unter Umständen kann eine Arthroskopie zur Knorpelglättung und Teilentfernung begleitender Meniskusschäden ausreichen. Dazu müssen umschriebene Knorpelläsionen vorliegen. Dieser Eingriff kann noch jahrelange Schmerzfreiheit für den Patienten gewährleisten.

Achskorrekturen können in früheren Arthrosestadien zu einer günstigeren Druckverteilung im Kniegelenk führen.

Bei fortgeschrittener Kniegelenksarthrose hilft oft nur noch eine prothetische Versorgung. Der Patient erhält dann ein künstliches Kniegelenk (Knieprothese).

Wer behandelt eine Kniearthrose?

Spezialisten für Kniearthrose sind in der Regel Fachärzte für Orthopädie, Sportmedizin oder Rheumatologie.

Eeitere Untersuchungen (MRT, CT) werden von Fachärzten der Radiologie/Nuklearmedizin durchgeführt.

Kliniken für Kniearthrose sind Kliniken für

FAQ: Die 8 wichtigsten Fragen zur Gonarthrose (Kniearthrose)

Was ist das Leitsymptom der Gonarthrose?

Das klassische Leitsymptom einer Kniegelenksarthrose ist der sogenannte Anlaufschmerz. Betroffene verspüren Schmerzen im Kniegelenk, wenn sie nach längerem Sitzen oder Liegen aufstehen und die ersten Schritte gehen. Nach einer kurzen Gehstrecke lassen die Beschwerden oft nach, kehren aber bei längerer Belastung wieder zurück. Ist die Erkrankung fortgeschritten, leiden Patienten auch unter Ruheschmerzen und nächtlichen Knieschmerzen.

Wie wird eine Gonarthrose diagnostiziert?

Die Diagnose Gonarthrose stellt meist ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Zunächst erfolgt eine klinisch körperliche Untersuchung, bei der die Beweglichkeit, Schwellungen und der Band-Status geprüft werden. Um die Diagnose einer Gonarthrose zu sichern, sind bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen im Stehen notwendig. Hierbei zeigt sich typischerweise eine Verschmälerung im Gelenkspalt und knöcherne Anbauten, sogenannte Osteophyten. Ein MRT kann zusätzlich Schäden am Meniskus oder der Knorpelschicht zeigen.

Welche Ursachen und Risikofaktoren begünstigen Kniearthrose?

Neben dem natürlichen Alterungsprozess ist Übergewicht ein entscheidender Risikofaktor, da jedes Kilo zu viel den Druck auf den Knorpel erhöht. Auch Fehlstellungen wie X-Beine (begünstigt laterale Gonarthrose) oder O-Beine (begünstigt mediale Gonarthrose) führen zu einer einseitigen Überlastung. Frühere Verletzungen am Meniskus oder Kreuzband können sekundär Jahre später eine Kniearthrose auslösen. Zudem spielt die genetische Veranlagung eine Rolle bei der Entstehung dieser degenerativen Erkrankung.

Wie sieht die konservative Therapie der Gonarthrose aus?

Bevor operativ eingegriffen wird, schöpfen Ärzte die Behandlungsmöglichkeiten der konservativen Therapie aus. Dazu gehören Physiotherapie zur Kräftigung der Muskulatur, die das Kniegelenk stabilisieren soll, sowie Gewichtsreduktion bei Übergewicht. Orthesen oder Bandagen können das Gelenk entlasten. Medikamentös kommen Entzündungshemmer oder eine Injektion mit Hyaluronsäure oder Kortison direkt in das Kniegelenk infrage, um die Gleitfähigkeit der Gelenkflüssigkeit zu verbessern und die akute Entzündung der Gelenkkapsel zu hemmen.

Wann ist eine Operation bei Gonarthrose notwendig?

Eine operative Therapie wird meist dann empfohlen, wenn die Kniearthrose fortgeschritten ist, der Knorpel fast vollständig abgebaut ist (Knochen auf Knochen) und der Leidensdruck durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen die Lebensqualität massiv mindert. Wenn konservative Maßnahmen die Beschwerden nicht mehr ausreichend lindern, ist oft der Einsatz einer Teilprothese oder eines künstlichen Kniegelenks (Totalendoprothese) der letzte Schritt, um die Mobilität wiederherzustellen.

Welche Sportart ist bei Kniearthrose geeignet?

Bewegung bei Gonarthrose ist wichtig, um den Knorpel zu ernähren, allerdings sollte die Sportart gelenkschonend sein. Empfohlen werden Radfahren, Schwimmen (Kraulen) oder Nordic Walking auf weichem Waldboden. Sportarten mit abrupten Stopps, Sprüngen oder Drehungen wie Fußball, Tennis oder Squash erhöhen die Belastung auf das geschädigte Gewebe und können eine aktivierte Gonarthrose mit Schwellung und Schmerzen provozieren.

Was versteht man unter einer aktivierten Gonarthrose?

Eine aktivierte Gonarthrose ist ein akuter Entzündungsschub innerhalb des chronischen Verschleißprozesses. Dabei reagiert die Gelenkinnenhaut auf den Knorpelabrieb mit einer Entzündung. Das Knie wird warm, rot und geschwollen, und es bildet sich vermehrt Gelenkflüssigkeit (Gelenkerguss). In diesem Stadium der Gonarthrose steht die Schmerzlinderung und Entzündungshemmung, etwa durch Kühlen und Schonung, im Vordergrund.

Was empfehlen Fachgesellschaften zur Behandlung?

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie internationale Leitlinien empfehlen ein Stufenschema. Basis sind immer Aufklärung, Gewichtsabnahme und Bewegungstherapie (Ursachen und Behandlung angehen). Erst wenn diese Maßnahmen nicht greifen, sollen Medikamente und Injektionen folgen. Die Operation als Gelenkersatz wird als finale Option gesehen, wenn alle anderen konservativen und gelenkerhaltenden operativen Verfahren ausgeschöpft sind.